Die Bedrohung ist noch nicht da, aber sie wird kommen – und wer zu lange wartet, verliert. Mit dieser Botschaft hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am 12. Oktober in Berlin seine Roadmap für den Umstieg auf Post-Quanten-Kryptografie vorgestellt. Ziel ist es, Staat und Wirtschaft einen Fahrplan an die Hand zu geben, mit dem Verschlüsselungsverfahren fit gemacht werden für eine Zukunft, in der leistungsstarke Quantencomputer heutige Schutzmechanismen aushebeln könnten.
Warum das Thema trotz einer scheinbar fernen Gefahr drängt, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst mit einem einfachen Mechanismus: Angreifer können verschlüsselte Daten bereits heute abgreifen und speichern, um sie später mit künftiger Rechenleistung zu knacken. „Quantencomputer sind noch nicht breit verfügbar, werden viele der aktuell genutzten Verschlüsselungsverfahren aber angreifbar machen“, sagt Wintergerst. Die Roadmap komme deshalb zur richtigen Zeit.
Entscheidend sei der Faktor Zeit. Die Umstellung auf quantensichere Verfahren ziehe sich über Jahre, betont der Bitkom-Präsident. „Wer erst handelt, wenn leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind, handelt zu spät.“ Nun gehe es darum, die Roadmap mit klaren Zuständigkeiten, Prioritäten und Zeitplänen zu unterfüttern – und zwar für Behörden wie für Unternehmen gleichermaßen.
Für die Wirtschaft leitet Wintergerst konkrete Hausaufgaben ab. Statt abzuwarten, sollten Unternehmen zunächst ihre eigenen kryptografischen Systeme erfassen, besonders sensible Daten mit hoher Priorität behandeln und ihre IT so flexibel aufstellen, dass sich Verschlüsselungsverfahren bei Bedarf rasch austauschen lassen.
Wie weit der Weg dorthin noch ist, zeigt eine aktuelle Bitkom-Studie. 43 Prozent der Unternehmen ab 100 Beschäftigten in Deutschland werten Quantencomputing als großes Risiko für die eigene IT-Sicherheit. Immerhin 77 Prozent haben sich bereits mit dem Thema befasst, planen dies oder können es sich zumindest vorstellen. Doch der Blick auf die Umsetzung ernüchtert.
Selbst in dieser Gruppe haben 34 Prozent noch keinerlei konkrete Maßnahmen gegen mögliche Sicherheitsrisiken ergriffen oder geplant. Nur 29 Prozent haben die Umstellung auf quantensichere Verschlüsselung umgesetzt oder zumindest ins Auge gefasst, 22 Prozent eine Analyse ihrer kryptografischen Systeme angestoßen. Grundlage der Zahlen ist eine repräsentative Befragung von 607 Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungssektor, die Bitkom Research zwischen Oktober und Dezember 2025 im Auftrag des Digitalverbands durchgeführt hat.





















