Anzeige

Das Vertrauen der deutschen Wirtschaft in die USA als politischen Partner steht auf wackeligen Beinen. Sechs von zehn Unternehmen – genau 59 Prozent – betrachten die Vereinigten Staaten derzeit nicht mehr als verlässlichen Verbündeten für Deutschland. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die der Digitalverband Bitkom anlässlich der US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 vorgelegt hat.

Dabei fallen die kritischen Stimmen deutlich aus. Während ein Viertel der befragten Firmen die USA als eher nicht verlässlich einstuft, gehen 34 Prozent noch einen Schritt weiter und sprechen den Amerikanern diese Verlässlichkeit vollständig ab. Dem gegenüber stehen 24 Prozent, die das Land als eher verlässlich einordnen, und lediglich 14 Prozent, die den USA volles Vertrauen aussprechen.

Anzeige

Trotz dieser Skepsis bleibt die ökonomische Bedeutung des transatlantischen Partners unbestritten. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst macht deutlich, worauf es seiner Ansicht nach ankommt: „Die USA sind und bleiben einer unserer wichtigsten Lieferanten, gerade bei digitalen Technologien, Software und Plattformen. Echte Partnerschaft bedeutet, dass man sich gerade in schwierigen Zeiten hundertprozentig aufeinander verlassen kann. Diese Verlässlichkeit hat zuletzt gelitten und muss wiederhergestellt werden.“

Wie tief die Abhängigkeit tatsächlich reicht, belegen weitere Zahlen der Studie. Von jenen Unternehmen, die digitale Technologien aus den USA beziehen, sehen sich 87 Prozent in einem Abhängigkeitsverhältnis – fast die Hälfte davon sogar in einem starken. Entsprechend groß ist die Nervosität: Nahezu drei Viertel aller Befragten machen sich Sorgen über Deutschlands digitale Abhängigkeit vom amerikanischen Markt.

Ob die Midterms daran etwas ändern, bewerten die Firmen unterschiedlich. Drei von zehn Unternehmen hoffen auf mehr Verlässlichkeit in der US-Handelspolitik nach der Wahl. Die Mehrheit bleibt jedoch nüchtern: Rund die Hälfte erwartet keine wesentlichen Veränderungen, 13 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Verschlechterung.

Für Wintergerst liegt der Schlüssel zu einer stabilen Zusammenarbeit letztlich auf europäischer Seite. „Die transatlantische Zusammenarbeit hat für die deutsche Wirtschaft einen hohen Wert. Sie wird besser funktionieren, wenn Europa technologisch und wirtschaftlich auf Augenhöhe kommt“, betont er. Grundlage der Erhebung war eine telefonische Befragung von 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die zwischen der 33. und 39. Kalenderwoche 2026 durchgeführt wurde.

Anzeige
💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein