Grüne Zäune entlang stillgelegter Gleise – für die meisten Passanten in Beeden kaum mehr als ein Rätsel am Wegesrand. Für die Vorschulkinder der katholischen Kita Aller-Hand wurden sie dagegen zum Ausgangspunkt eines kleinen Forschungsabenteuers. Entlang der 6,3 km langen Bahnstrecke, auf der ab Ende 2028 wieder Züge rollen sollen, gingen die „Dinos“ im Rahmen eines Projekts zur Bildung für nachhaltige Entwicklung einer Frage nach: Wer versteckt sich hinter den auffälligen Absperrungen?
Den Anstoß gab ein ungewöhnlicher Besuch. „Professor Max Schotterstein“ und seine Begleiterin Karolina Engel vom ILF Saarbrücken legten den Kindern Fotos der seltsamen Zäune vor und schickten sie damit auf Spurensuche. Bei einem Spaziergang zum alten Beeder Bahnhof wurden die kleinen Forscher schließlich fündig: Zwischen Schwellen und Schotter tauchte ein Hinweisschild mit einer Eidechse auf. Damit war klar, worum es ging. Bevor die Gleise saniert werden, müssen die streng geschützten Tiere in Sicherheit gebracht werden.
In den folgenden Tagen entwickelten sich die Kinder zu echten Kennern der heimischen Mauereidechse. Sie beschäftigten sich mit dem Körperbau der Reptilien und erfuhren, wie sich die Tiere häuten, sobald die Schuppenhaut zu eng wird. Eine Kamishibai-Geschichte brachte ihnen bei, dass Eidechsen als wechselwarme Tiere auf die Sonne angewiesen sind, um Energie zu tanken. Ein eigens aufgestelltes „Eidechsen-Thermometer“ im Kita-Garten zeigt nun an, wann sich eine Beobachtung lohnt – bei 16 bis 28 Grad sind die flinken Tiere am aktivsten.

Auch Speiseplan und Alltagsgefahren der Reptilien wurden beleuchtet. Spinnen, Käfer und kleine Insekten gehören zu ihrer Nahrung, während sie sich vor Füchsen, Störchen, Wildschweinen und Katzen in Acht nehmen müssen. Besonders beeindruckten die Kinder die Abwehrtricks der Tiere: die Fähigkeit, bei Gefahr den Schwanz abzuwerfen, und das sogenannte „dritte Auge“ am Kopf, mit dem die Eidechsen Schatten frühzeitig wahrnehmen.
Ihr neues Wissen setzten die „Dinos“ auch kreativ um. Aus selbst hergestelltem Kaltporzellan formten sie Eidechsen, gestalteten bunte Leporellos und stellten eine eigene kleine Ausstellung zusammen. Den Höhepunkt bildete der Besuch von Ina Lorenz vom Karlsruher Unternehmen Mailänder Consult, die im Auftrag der Deutschen Bahn mit ihrem Team für die Umsiedlung der Tiere entlang der Trasse verantwortlich ist. Sie erläuterte die Fangmethoden – von im Boden vergrabenen Bechern bis zum behutsamen Einsatz von Schwamm und Eidechsen-Angel. Mehr als 2.000 Mauereidechsen sowie Haselmäuse, Fledermäuse und Molche konnten so bereits vor den Baumaschinen gerettet werden.

Mit dem Abschluss der Projekttage ist die Geschichte jedoch nicht zu Ende. Im Herbst will Erzieherin Nicole Schilli gemeinsam mit den Vorschulkindern eine Eidechsenburg auf dem Außengelände errichten. Damit bekommen die Beeder Kita-Mauereidechsen ein sicheres Winterquartier direkt vor Ort. Die während des Projekts entstandene Ausstellung ist noch bis zum 12. November 2026 in der katholischen Kita Aller-Hand in Beeden zu sehen. Wer vorbeischauen möchte, meldet sich vorab bei Leiterin Karina Waletzke unter der Nummer 06841-65884 an.




















