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Rund 66 Milliarden Euro ließen sich beim Ausbau der deutschen Stromverteilnetze bis 2045 einsparen – wenn die Betreiber die Möglichkeiten moderner Technik konsequenter ausschöpfen würden. Diese Zahl, errechnet in einer aktuellen Studie von Agora Energiewende, bildet das Kernargument eines neuen Positionspapiers des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). Die Botschaft des Verbands ist klar: Nicht jedes Problem lässt sich mit neuen Leitungen lösen.

Anlass ist das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) geplante Verteilnetzpaket, mit dem die Stromverteilnetze leistungsfähiger und der Netzausbau schneller werden sollen. Der BEE begrüßt die Initiative grundsätzlich, sieht aber eine entscheidende Schieflage. Bislang denke das Ministerium zu stark in klassischen Ausbaukategorien und übersehe dabei, was in der bestehenden Infrastruktur bereits steckt.

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„Bei den Plänen für die Ertüchtigung der Verteilnetze braucht es einen Perspektivwechsel“, kommentiert BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser. „Mit einer konsequenten Modernisierung und Optimierung der bestehenden Infrastruktur können wir erhebliche Kosten einsparen und Zeit gewinnen.“ Von den insgesamt 250 Milliarden Euro, die bis 2045 für den Netzausbau vorgesehen sind, entfiele damit mehr als ein Viertel.

Dass der Druck wächst, belegen die jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur: Im zweiten Quartal 2026 wurde erstmals mehr Strom im Verteilnetz abgeregelt als im überregionalen Übertragungsnetz. Der BEE plädiert deshalb dafür, Planung und Betrieb am sogenannten NOXVA-Prinzip auszurichten – also Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau. Bewährte Werkzeuge blieben bislang ungenutzt. Das Freileitungsmonitoring im Hochspannungsnetz etwa könne die Auslastung einer Leitung um bis zu 50 Prozent steigern und die Redispatchmenge um bis zu 95 Prozent senken, werde aber kaum eingesetzt.

Eine zentrale Voraussetzung für die effizientere Nutzung sieht der Verband in der Digitalisierung. Gefordert werden eine flächendeckende Erfassung von Echtzeitdaten und verlässliche Auslastungsprognosen. Wie groß die Lücke ist, zeigt eine weitere Erhebung der Bundesnetzagentur aus diesem Jahr: Mehr als die Hälfte der Netzbetreiber erfasst derzeit keine Daten zum Netzzustand in Echtzeit. Hinzu kommt der Wunsch nach mehr Transparenz, etwa über eine zentrale Plattform mit standardisierten Angaben zu Auslastung, freien Anschlusskapazitäten und geplanten Baumaßnahmen.

Mehr Einheitlichkeit könnte zudem die Zusammenarbeit der über 850 Netzbetreiber erleichtern – durch bundesweit geltende technische Anschlussbedingungen und verbindliche Auslegungsregeln für alle Spannungsebenen. Auch Flexibilitäten senken laut BEE die Redispatchkosten und den Ausbaubedarf, werden bislang jedoch kaum genutzt. Der Verband verlangt eine Ausbauoffensive für systemdienliche Speicher sowie spürbare Vereinfachungen beim Instrument „Nutzen statt Abregeln“.

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Am Ende steht für Heinen-Esser eine grundsätzliche Forderung. „Die effiziente Nutzung der Verteilnetze muss endlich Standard werden“, betont sie. „Viele Werkzeuge stehen dafür schon bereit, werden aber noch viel zu wenig genutzt.“ Nötig seien verbindliche Anforderungen und ein Bonus-Malus-System, das effizientes Handeln belohnt und Versäumnisse spürbar macht.

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