Erstmals liegt eine nahezu deutschlandweite Übersicht darüber vor, wo das Stromnetz an seine Grenzen stößt. Die Unternehmensberatung E-Bridge hat am Mittwoch im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums Zahlen zu bestehenden Netzengpassgebieten vorgelegt. Für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist das ein erster Meilenstein in einer Debatte, die über den künftigen Netzanschluss neuer Ökostromanlagen entscheiden könnte.
Der Verband hatte im Vorfeld darauf gedrungen, eine belastbare Datengrundlage zu schaffen. Diese soll nun helfen, die Folgen des geplanten Redispatchvorbehalts abzuschätzen. „Die von E-Bridge veröffentlichten Daten liefern eine wichtige Grundlage, um die möglichen Auswirkungen des geplanten sogenannten Redispatchvorbehalts besser einschätzen zu können“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Besonderes Gewicht misst der Verband der Herkunft der Zahlen bei. Denn erstmals seien interne Daten aus einem breiten Kreis großer Verteilnetzbetreiber zusammengeführt und ausgewertet worden. Das stärke die Aussagekraft der Analyse deutlich gegenüber früheren Erhebungen. Die Untersuchung zeigt, in welchen Regionen Engpässe bestehen und welche Gebiete von den geplanten Regelungen betroffen sein könnten.
Doch Andreae dämpft zugleich die Erwartungen. Die Analyse bilde lediglich den Status quo auf Basis der verfügbaren Daten zwischen 2023 und 2025 ab. „Die Analysen können jedoch nur ein erster Schritt in einem längeren Prozess sein“, betonte sie. Da sich sowohl die Zahl der Netzanschlussbegehren als auch der Netzausbau ständig veränderten, brauche es ein enges Monitoring, um Fehlentwicklungen früh zu erkennen und gegensteuern zu können.
Entscheidend sei, dass das Instrument tatsächlich seine Lenkungswirkung entfalte: neue Erneuerbare-Energien-Anlagen dorthin zu leiten, wo Kapazitäten frei sind, und die Kosten für Abregelungen zu senken, ohne den Ausbau von Ökostrom und Netzen auszubremsen. Dass im sogenannten Netzanschlusspaket eine Evaluierungsklausel verankert wurde, wertet der Verband als wichtigen Erfolg.
Zugleich fordert Andreae vom Gesetzgeber klare Bestandsschutzregeln. Bereits getätigte Investitionen und weit fortgeschrittene Planungen dürften nicht nachträglich entwertet werden. Auch müsse das Instrument gezielt dort greifen, wo konkrete und erhebliche Engpässe bestehen. Die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete solle sich deshalb auf klar abgegrenzte Hotspots beschränken.
Aus Sicht des BDEW können solche Anschlussregeln aber nur eine Übergangslösung sein. Nötig sei vor allem ein schnellerer Netzausbau. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten deutlich vereinfacht werden. „Netzausbauzeiten von zehn Jahren können nicht unser Anspruch sein“, so Andreae. Sie mahnt, das angekündigte Beschleunigungspaket rasch umzusetzen und dabei auch die Beschaffung wichtiger Netzkomponenten sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften mitzudenken. Ergänzend könnten flexible Netzanschlussvereinbarungen, die gemeinsame Nutzung von Anschlüssen durch verschiedene Technologien sowie transparente Reservierungsverfahren helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen.




















