Die Zahlen deuten nach oben, doch von Entwarnung will die Bauindustrie nichts wissen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Mai 2026 rund 21.000 Baugenehmigungen für Wohn- und Nichtwohngebäude erteilt – ein Zuwachs von 24,7 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres. Damit setzt sich ein Aufwärtstrend fort, der inzwischen seit einem Jahr Monat für Monat anhält.
Auch der Blick auf das gesamte bisherige Jahr bestätigt die Erholung. Von Januar bis Mai genehmigten die Behörden bundesweit 104.700 Wohnungen, was einem Plus von 15,4 Prozent entspricht. Auf dem Papier klingt das nach einer klaren Wende. In der Praxis sieht es jedoch anders aus.
„Die positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen ist gut, aber sie kommt bislang nicht in den Auftragseingängen an. Die Krise im Wohnungsbau ist daher noch lange nicht überwunden“, ordnet Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, die aktuellen Daten ein. Genehmigt zu werden und tatsächlich gebaut zu werden, sind eben zwei verschiedene Dinge.
Als Bremsklotz macht Müller vor allem die politischen Rahmenbedingungen aus. Die geplante Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude sehe Kürzungen bei der energetischen Sanierung von Mehrfamilienhäusern vor – ein Signal, das den privaten Wohnungsbau zusätzlich schwäche. Solange Investoren zudem auf eine neue Förderkulisse warten müssten, halte sich die Bereitschaft in Grenzen, konkrete Projekte auf den Weg zu bringen. Gerade jetzt, so seine Forderung, müsste der Bund den Schwung bei den Genehmigungen aufgreifen statt ihn verpuffen zu lassen.
Besonders im Fokus steht der Geschosswohnungsbau, die zahlenmäßig stärkste Gebäudeart. Hier wurden zwischen Januar und Mai insgesamt 56.100 Wohnungen neu genehmigt, ein Anstieg von 18,9 Prozent. Doch auch dieser Bereich braucht nach Einschätzung des Verbandes mehr als gute Absichten, um den angespannten Wohnungsmarkt spürbar zu entlasten.
Neben durchdachten Förderprogrammen verweist Müller vor allem auf die Kostenseite. Der Baupreisindex für Wohngebäude legte im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr um 5,0 Prozent zu. Strukturelle Reformen mit konkreten Umsetzungsplänen seien nötig, um diese Dynamik zu durchbrechen. Stärkere Digitalisierung, serielle und modulare Bauweisen, eine engere Verzahnung von Planung und Ausführung sowie schlankere Normen könnten aus seiner Sicht die Kosten senken, ohne dass technische Standards darunter litten. Erst wenn diese Hebel greifen, dürfte aus den steigenden Genehmigungszahlen auch wieder ein spürbarer Bauboom werden.



















