Mehr als 300 Gartenbegeisterte strömten Anfang März in den Kuppelsaal des St. Ingberter Rathauses, um bei der mittlerweile fünften Saatguttauschbörse samenfestes Saatgut weiterzugeben, seltene Sorten zu entdecken und sich über nachhaltiges Gärtnern auszutauschen. Die Veranstaltung wächst seit Jahren – und hat in dieser Auflage mit einem neuen Baustein noch einmal an Breite gewonnen.
Unter dem Motto „Essen statt Vergessen“ drehte sich alles um den Erhalt alter Nutz-, Heil- und Zierpflanzen, die aus vielen Gärten längst verschwunden sind. Auf zehn großen Tischen breiteten Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner ihre Schätze aus: Tütchen mit Tomatensamen vergessener Sorten lagen neben Saatgut für Kräuter und Blumen, die als wertvolle genetische Ressourcen gelten. Wer kam, konnte eigenes Saatgut mitbringen und im Gegenzug Neues mitnehmen – ganz ohne Kasse, allein auf Tauschbasis.
Erstmals ergänzte ein Pflanzenflohmarkt das Programm. Selbstgezogene Jungpflanzen, Stauden und Ableger wechselten hier die Besitzerin oder den Besitzer. Zwar fiel das Angebot bei der Premiere noch überschaubar aus, doch die Resonanz war nach Angaben der Organisatoren durchweg positiv. Damit dürfte der Flohmarkt im kommenden Jahr fester Bestandteil der Börse werden.
Für Aufmerksamkeit sorgte auch die Foodsharing-Gruppe St. Ingbert, die gerettete Lebensmittel an die Besucherinnen und Besucher verteilte und so das Thema Lebensmittelverschwendung greifbar machte. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsprogramms der Biosphären-VHS St. Ingbert stellte die Gruppe ihre Arbeit zudem in einem eigenen Vortrag vor – eine Verbindung, die den Gedanken der Veranstaltung über das reine Gärtnern hinaus erweiterte.
Die Saatguttauschbörse hat seit ihren Anfängen in der Stadtbücherei einen beachtlichen Weg zurückgelegt. Vor drei Jahren zog sie in den deutlich größeren Kuppelsaal um, und seitdem steigen die Besucherzahlen kontinuierlich. Die Stadt St. Ingbert zieht eine rundum positive Bilanz: Die Veranstaltung bewahre altes Wissen, fördere die biologische Vielfalt und bringe Menschen zusammen, die ihre Leidenschaft für den Garten teilen. Dass nachhaltiges Gärtnern und regionale Sortenvielfalt weit mehr als ein Nischenthema sind, hat der Andrang im Kuppelsaal eindrücklich gezeigt.



















