Der deutsche Außenhandel kommt nicht in Schwung. Die Exportzahlen für Januar 2026 zeigen ein ernüchterndes Bild, und der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) verlangt von der Bundesregierung eine grundlegende Kurskorrektur. Gegenüber dem Vormonat Dezember 2025 gingen die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 2,3 Prozent zurück, die Importe sogar um 5,9 Prozent. Das geht aus vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes hervor, die am 10. März veröffentlicht wurden.
BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura zeichnet ein düsteres Lagebild. „Der deutsche Außenhandel startet schwach ins neue Jahr – und die Risiken nehmen weiter zu“, erklärte er mit Blick auf die aktuellen Destatis-Zahlen. Sinkende Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, eine schwächelnde Produktion und nachlassende Nachfrage aus den USA und China verdichteten sich zu einem Umfeld, in dem positive Impulse schlicht fehlten. „Wir sehen nirgendwo Impulse, die unseren Unternehmen die dringend benötigten Aufträge einbringen könnten“, so Jandura. Seine Forderung fällt entsprechend deutlich aus: Deutschland brauche eine Exportoffensive mit offenen Märkten, verlässlichen Partnerschaften und wettbewerbsfähigen Standortbedingungen.
Besonders alarmierend ist aus Sicht des Verbandspräsidenten die Entwicklung innerhalb Europas. Ausgerechnet der Binnenmarkt, der mit vergleichsweise wenigen Handelshemmnissen eigentlich als stabiler Absatzraum funktionieren sollte, schwächelt ebenfalls. „Gerade hier, wo es nur wenige Handelsbeschränkungen gibt, sollte es eine stabile Nachfrage geben. Doch auch diese Zahlen gehen bergab“, sagte Jandura. Er mahnte, Europa müsse seine wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen klug gestalten, statt Unternehmen mit zusätzlichen Lasten zu bremsen. Konkret nannte er weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise, diversifizierte Lieferketten und Fortschritte bei neuen Handelsabkommen als zentrale Hebel.
Zusätzlichen Druck erzeugt die geopolitische Lage rund um den Iran. Der Konflikt treibt Energiepreise nach oben und gefährdet etablierte Handelsrouten. Zwar spürten die Unternehmen bislang keine gravierenden direkten Auswirkungen, doch mögliche Einschränkungen an der Straße von Hormus beobachte die Wirtschaft mit wachsender Sorge. Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr hätten bereits zu längeren Transportzeiten und steigenden Kosten geführt, berichtete Jandura. Umso dringlicher sei ein klares Signal aus Washington für Stabilität und Berechenbarkeit in den transatlantischen Handelsbeziehungen.
Im Jahresvergleich fällt die Bilanz gemischt aus. Gegenüber Januar 2025 legten die Exporte zwar leicht um 0,6 Prozent zu, die Importe gingen jedoch um 4,0 Prozent zurück. Dass die Einfuhren deutlich stärker schrumpfen als die Ausfuhren, spiegelt die gedämpfte Binnennachfrage wider und unterstreicht die strukturellen Probleme, auf die der BGA hinweist. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, schwacher europäischer Konjunktur und steigenden Beschaffungskosten setzt den Außenhandel von mehreren Seiten unter Druck.
Ob die geforderte Exportoffensive politisch Gehör findet, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Zahlen für den Jahresauftakt 2026 liefern der Wirtschaft wenig Grund zur Zuversicht. Der BGA drängt auf rasches Handeln, bevor sich die Abwärtsspirale weiter verfestigt. Für die exportabhängige deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung des Verbandes nicht weniger auf dem Spiel als Wachstum und Wohlstand.










