70 Jahre Marinekameradschaft Homburg – dahinter stehen nicht nur maritime Tradition und die Erinnerung an die eigene Zeit bei der Marine. Es sind vor allem sieben Jahrzehnte voller Freundschaften, gemeinsamer Erlebnisse und einer außergewöhnlich engen Verbindung zwischen Homburg und der Deutschen Marine. Am Samstag feierte die Marinekameradschaft ihr großes Jubiläum im Saalbau. Dass dazu sogar Mitglieder der Besatzung des Minenjagdbootes HOMBURG unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus einem NATO-Einsatz aus Kiel anreisten, zeigte eindrucksvoll, wie lebendig diese Verbindung bis heute ist. Den musikalischen Schlusspunkt setzte ein Benefizkonzert der Bergkapelle Saar.
„70 Jahre Marinekameradschaft Homburg – das sind sieben Jahrzehnte Vereinsgeschichte, Kameradschaft und Verbundenheit mit der Deutschen Marine“, brachte der Vorsitzende Manfred Abel zu Beginn seiner Festansprache auf den Punkt. Dabei blickte der Verein am Jubiläumsabend nicht nur zurück. Vielmehr wurde schnell deutlich, dass viele der Verbindungen, die irgendwann in den vergangenen sieben Jahrzehnten begonnen haben, bis heute Bestand haben. Ein besonders schönes Beispiel saß direkt unter den Gästen.
Seit dem 24. Juli war die Besatzung des Minenjagdbootes HOMBURG im NATO-Einsatz gewesen. Erst kurz vor dem Jubiläum war sie nach Kiel zurückgekehrt. Statt unmittelbar in den wohlverdienten Urlaub zu starten, machten sich sechs Besatzungsmitglieder auf den langen Weg in ihre Patenstadt. Angeführt wurde die Delegation von Kommandantin Korvettenkapitän Cornelia Just. Ebenfalls nach Homburg kamen Kapitänleutnant Christian Gabrys, Obermaat Lucas Neubert, Obermaat Leon Saal sowie die Hauptgefreiten Justus Müller und Tim Holtz. Dazu war mit Fregattenkapitän Florian Holzhüter auch ein ehemaliger Kommandant der HOMBURG und heutiger stellvertretender Kommandeur des 3. Minensuchgeschwaders angereist.
Für Abel war gerade dieser Besuch alles andere als selbstverständlich. Im Gespräch am Rande der Veranstaltung erzählte er, dass die Besatzungsmitglieder erst zwei Tage zuvor zurückgekehrt seien und ihre Familien sie vermutlich ebenfalls gerne zu Hause gesehen hätten. Dass sie trotzdem nach Homburg kamen, passte ziemlich gut zu einer Geschichte, die längst weit über eine Patenschaft auf dem Papier hinausgeht.
Die heutige Marinekameradschaft wurde am 8. August 1956 im Gasthaus „Zur Karlslust“ in Homburg neu gegründet. Schon wenige Monate später, am 18. November, folgte beim Volkstrauertag der erste öffentliche Auftritt. Auch eine Tradition, die heute noch zum Vereinsleben gehört, reicht bis in diese Anfangszeit zurück: Die regelmäßigen Backsabende finden bis heute einmal im Monat statt. Was als Gemeinschaft von Marineverbundenen begann, wurde über die Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Homburger Vereinslebens. Das wohl prägendste Kapitel begann allerdings 1971.
Mit der SPICA begann eine besondere Freundschaft
Am 26. Juni 1971 übernahm die Stadt Homburg offiziell die Patenschaft für das Schnelle Minensuchboot SPICA der damaligen Bundesmarine. Für die Marinekameradschaft wurde diese Verbindung zu einem zentralen Teil ihrer eigenen Geschichte. Schon ein Jahr später reisten Mitglieder der Marinekameradschaft gemeinsam mit einer Delegation des Homburger Stadtrates zur SPICA nach Flensburg. Und allein die Anreise dürfte einigen Teilnehmern bis heute in Erinnerung geblieben sein: Die Bundesluftwaffe stellte dafür eine Transall C-160 zur Verfügung. Für viele Homburger an Bord war es der erste Flug ihres Lebens.
1974 kam schließlich die Besatzung der SPICA erstmals offiziell in ihre Patenstadt. Aus der zunächst formellen Verbindung wurden schnell persönliche Freundschaften. Und sogar noch etwas mehr. „Aus der offiziellen Patenschaft entstanden persönliche Freundschaften – und sogar zwei Ehen zwischen Besatzungsmitgliedern der SPICA und Homburger Frauen“, erinnerte Abel in seiner Festansprache. Beide Ehen bestehen nach seinen Worten bis heute. Eine Anekdote, die wohl besser als jeder Festakt zeigt, was aus einer solchen Patenschaft entstehen kann.
1974 wurde Homburg zum Treffpunkt der Marinekameradschaften
Überhaupt gehörte das Jahr 1974 zu den großen Kapiteln der Vereinsgeschichte. Damals richtete die Marinekameradschaft Homburg den Abgeordnetentag des Deutschen Marinebundes aus. Marinekameradschaften aus ganz Deutschland kamen in die Stadt, dazu gab es ein großes Rahmenprogramm.
Beim Musikfestival im Waldstadion spielten unter anderem das Marine-Musikkorps Ostsee, eine französische und eine amerikanische Militärkapelle sowie der Fanfarenzug der DJK Bexbach. Manfred Abel erinnerte sich auch im persönlichen Gespräch noch bestens daran: „Das war 1974.“ Es sind solche Erinnerungen, die an diesem Abend immer wieder aufblitzten – und aus einer Vereinschronik plötzlich sehr persönliche Geschichte machten.
Nach der SPICA kam die HOMBURG
1992 endete schließlich die Ära der SPICA mit ihrer Außerdienststellung. Die maritime Verbindung Homburgs war damit allerdings keineswegs vorbei. Bereits am 21. April 1994 lief auf der Kröger-Werft in Rendsburg das neue Minenjagdboot HOMBURG vom Stapel. Getauft wurde es von Helga Ulmcke, der Ehefrau des damaligen Homburger Oberbürgermeisters Reiner Ulmcke. Am 26. September 1995 folgte die Indienststellung.
Seitdem verbindet das Patenboot die Stadt, die Marinekameradschaft und zahlreiche wechselnde Besatzungen miteinander. Erst im vergangenen Jahr wurde in Homburg das 30-jährige Bestehen dieser Patenschaft groß gefeiert. „Ein Bombenverhältnis mit der Stadt“, beschrieb Abel die Verbindung im Gespräch – und ergänzte: „Das klappt klasse.“ Heute zählt die Marinekameradschaft nach seinen Angaben 66 Mitglieder.
Ein Verein, der nicht nur zurückblicken will
Bei aller Historie wollte die Marinekameradschaft ihr 70-jähriges Bestehen allerdings nicht als reine Rückschau verstanden wissen. „Die Marinekameradschaft Homburg ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten“, betonte Abel zum Ende seiner Festrede. „Sie ist ein lebendiger Verein. Ein Verein mit Tradition – und mit Zukunft.“ Dazu gehört für die Mitglieder auch, sich in Homburg einzubringen. Seit 2021 ist die Marinekameradschaft als gemeinnützige Körperschaft anerkannt. Und deshalb sollte auch das Jubiläum anderen etwas bringen.
Der Erlös des Benefizkonzerts kam dem sozialen Bereich für körperbehinderte Menschen sowie dem Homburger Tierschutz zugute. Vertreterinnen der Schule am Webersberg und des Ria-Nickel-Tierheims waren bei der Jubiläumsfeier ebenfalls dabei. „Wir wollen immer was für die Bevölkerung, für Homburg machen“, sagte Abel.
Vom Shantychor zur Bergkapelle Saar
Musik gehörte an diesem Abend von Beginn an dazu. Die „Landsweiler Lords“, der Shantychor der Marinekameradschaft Landsweiler-Reden, eröffneten zunächst den offiziellen Jubiläumsteil. Später wechselte das Geschehen in den großen Saal. Dort wartete mit der Bergkapelle Saar unter der Leitung von Bernhard Stopp der musikalische Höhepunkt des Abends. Bereits zum 60-jährigen Jubiläum im Jahr 2016 hatte die Bergkapelle ein Benefizkonzert für die Homburger Marinekameradschaft gegeben. Zehn Jahre später schloss sich der Kreis.
Oberbürgermeister Michael Forster, der die Schirmherrschaft über das Jubiläum übernommen hatte, dankte Abel und seinem Team für die Organisation. „Wenn wir 70 Jahre feiern, dann machen wir auch ein tolles Konzert, zu dem wir eben auch zu einem guten Zweck einladen“, fasste Forster die Idee hinter dem Abend zusammen. Und Manfred Abel hielt sich unmittelbar vor dem Konzert nicht mehr lange mit großen Worten auf. Ganz maritim gab er das Kommando: „Volle Kraft voraus und freie Fahrt für unsere Bergkapelle.“
Marinemusik zum Auftakt
Bernhard Stopp und seine Musiker hatten ihr Programm bewusst auf den Gastgeber zugeschnitten. Den Auftakt machte „Anchors Aweigh“, einer der bekanntesten amerikanischen Marinemärsche. Es folgten unter anderem die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ von Franz von Suppè, ein Concertino für Xylophon mit Fabian Scheid als Solist sowie Thomas Doss‘ „Out of the Dark“.
Nach der Pause standen der „Präsentiermarsch der Marine“, Guy Woolfendens „Illyrian Dances“, Musik aus „Robin Hood – König der Diebe“ und Jörg Murschinskis „Generation Golf“ auf dem Programm. Für die Bergkapelle selbst verbindet sich ebenfalls eine lange Geschichte mit dem Saarland: Die Tradition der Bergmannsmusik reicht dort mehr als 200 Jahre zurück. 2024 wurde die Bergkapelle Saar in die saarländische Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Die nächste Generation dieser Geschichte ist längst unterwegs
Einer der bemerkenswertesten Sätze des Abends fiel aber nicht beim Blick in die Vergangenheit, sondern beim Blick nach vorne. Die Marinekameradschaft wolle auch künftig „ein Ort der Begegnung“ bleiben, sagte Abel – ein Ort, an dem maritime Tradition gepflegt werde, Jung und Alt miteinander ins Gespräch kämen und die Verbindung zwischen Homburg und der Deutschen Marine weiter mit Leben gefüllt werde. Dass dafür weiterhin genug Geschichten entstehen können, zeigte dieses Jubiläum selbst.
Eine Besatzung, die gerade erst von einem monatelangen Einsatz zurückkommt und trotzdem quer durch Deutschland zu Freunden nach Homburg fährt. Eine Patenschaft, aus der Freundschaften und sogar Ehen entstanden sind. Ein Verein, der nach sieben Jahrzehnten nicht nur seine eigene Vergangenheit feiert, sondern den Erlös seines Jubiläumskonzerts weitergibt.
70 Jahre Marinekameradschaft Homburg sind deshalb weit mehr als eine lange Vereinschronik. Es ist die Geschichte einer Stadt, die zwar weit vom Meer entfernt liegt – aber seit Jahrzehnten ziemlich enge Verbindungen dorthin pflegt.
Alle Bilder: Friedel Simon









































































