Drogen als Quelle literarischer Inspiration, die Funktionsweise von Komik oder ein in Vergessenheit geratener König aus dem Alten Testament: Die Forschungsfelder von Niklas Bender sind weit gespannt. Der Literaturwissenschaftler ist neu auf den Lehrstuhl für französische und italienische Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes berufen worden und bringt eine thematische Bandbreite mit, die weit über ein einzelnes Fachgebiet hinausreicht.
Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Literaturen Frankreichs und Italiens über mehrere Epochen hinweg. Besonders das 19. Jahrhundert hat es ihm angetan – schon seine Dissertation widmete sich dieser Zeit. In Frankreich nennt man Forscher wie ihn einen „dix-neuviémiste“. Gustave Flaubert bildet dabei den Dreh- und Angelpunkt, zuletzt kamen Autoren wie Gérard de Nerval, Théophile Gautier und Charles Baudelaire hinzu. Die Konzentration auf einen klar umrissenen Zeitraum, so Bender, eröffne die Möglichkeit, mit französischen Fachkollegen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.
Aktuell beschäftigt ihn eine Frage, die überraschend modern anmutet: Welche Rolle spielten Drogen für Schriftsteller, die auf der Suche nach Inspiration waren? Bender sieht darin eine Vorwegnahme heutiger Vorstellungen – etwa der Idee, den Menschen durch Designerdrogen über seine natürlichen Grenzen hinaus zu erweitern.
Seine Spezialisierung bedeutet allerdings keine inhaltliche Enge. Benders Veröffentlichungen reichen vom Renaissance-Dichter Ludovico Ariosto bis zu den Comics von Catherine Meurisse. Ein eindrückliches Beispiel ist sein jüngstes Buchprojekt: 2025 erschien beim Wallstein Verlag die Studie „König Saul: Der missglückte Anfang und Europas religiöses Erbe“. Der erste König des Volkes Israel ist heute weitgehend vergessen, doch sein Schicksal hat es in sich – erst von Gott erwählt, dann wegen mangelnden Gehorsams verworfen, umgeben von Kriegen, Rivalitäten, einer Hexe, einem Geist und grausamen Strafen.
Genau dieser dramatische Stoff hat über Jahrhunderte Autoren von Dante Alighieri bis André Gide beschäftigt. Für die Literaturwissenschaft lag darin eine Steilvorlage, die lange niemand aufgegriffen hatte. Benders Arbeit änderte das – die Frankfurter Allgemeine Zeitung würdigte sie in ihrer Rezension als „große Studie“.
Ob vertiefte Spezialisierung oder weiter Blick: Bender versteht sich in erster Linie als Vermittler von Literatur. In der Lehre sollen Überblicksvorlesungen den Boden für vertiefende Seminardiskussionen bereiten. Dieser Anspruch reicht über die Universität hinaus. Seit einem Vierteljahrhundert schreibt er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über französische und italienische Gegenwartsliteratur – Buchbesprechungen, Autorenporträts, Meldungen und Essays. In seinem Band „Verpasste und erfasste Möglichkeiten“ (2018) untersuchte er die Rolle des Lesens in der Gegenwart. Zudem begegnet er zeitgenössischen Autoren bei Lesungen, die er moderiert und bei denen er nachhakt.
Vor seiner Berufung nach Saarbrücken hat Bender unter anderem Professuren in Freiburg, Trier, Tübingen und Hamburg vertreten. Er tritt die Nachfolge von Romanistik-Professorin Patricia Oster-Stierle an. Studiert hat er Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie sowie Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin und an der Université Paris 8. Seine Promotion absolvierte er im Rahmen einer deutsch-französischen Doppelbetreuung, der sogenannten „co-tutelle de thèse“, und war dabei auch Stipendiat an der renommierten École normale supérieure in Paris. In Tübingen folgte schließlich die Habilitation in Romanischer Philologie sowie in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft.



















