Die Beeder Kerb 2026 hatte eine Vorgeschichte, die man dem Festwochenende am Ende kaum noch ansah: Wenige Wochen zuvor stand ernsthaft im Raum, dass es erstmals seit vielen Jahrzehnten keine klassische Straußjugend und keine Kerweredd geben könnte. Zu wenige Aktive, kaum Rückmeldungen, Sitzungen mit nur einer Handvoll Teilnehmern. Dann meldeten sich ehemalige Straußbuben und Straußmädchen – und aus einer beinahe abgesagten Tradition wurde doch noch ein Kerbewochenende mit allem, was in Beeden dazugehört.
Wie knapp die Sache tatsächlich war, erzählte Sabrina Kirchner im Gespräch mit Homburg1. Rund 30 frühere und aktuelle Straußbuben und Straußmädchen seien in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe. Als ihr Bruder Lukas Kirchner die ersten Aufrufe startete, sei die Resonanz allerdings ernüchternd gewesen.
„Mehr als zwei oder drei haben nicht reagiert“, sagte Kirchner. Einen Vorwurf wollte sie daraus ausdrücklich nicht machen. „Die Lebensumstände ändern sich. Die eine geht studieren, die andere schafft. Es ist halt so.“ Das Problem blieb trotzdem: Für eine Kerb braucht es Menschen, die Sträuße binden, Geschichten zusammentragen, die Kerweredd vorbereiten und schließlich auch gemeinsam durchs Dorf ziehen.
Kirchner kennt die Beeder Kerb seit fast zwei Jahrzehnten und versuchte deshalb selbst noch einmal, die Gruppe zusammenzubringen. „Dann habe ich als alte Kerwemama, die das hier schon fast über 20 Jahre macht, noch einmal mein Glück versucht“, erzählte sie. Doch auch bei den angesetzten Treffen kamen zunächst kaum genügend Leute zusammen. Bei einer Sitzung seien lediglich fünf Mädchen erschienen, bei weiteren Terminen habe es ähnlich ausgesehen.
„Wir brauchen Nachwuchs, ganz dringend“, brachte Kirchner das Problem auf den Punkt. Irgendwann wurde deshalb sogar darüber gesprochen, ob Beeden in diesem Jahr ohne die traditionelle Straußjugend auskommen müsste.
Dann kamen die Ehemaligen…
Die Wende kam spät – aber sie kam. Als ehemalige Straußbuben und Straußmädchen merkten, dass die Kerb tatsächlich auf der Kippe stand, wollten sie die Tradition nicht einfach ausfallen lassen. Kirchner erinnert sich an die entscheidende Reaktion: „Wenn die es noch machen, machen wir es.“ Von da an wurde zusammengesucht, was aus den vergangenen Jahren noch vorhanden war. Bänder und Schnüre kamen wieder zum Vorschein, Aufgaben wurden verteilt und ehemalige Aktive halfen den Jüngeren.
„Dann haben wir gesagt: Wenn wir es jetzt machen, dann machen wir es richtig“, sagte Kirchner. Am Ende standen 13 Mitwirkende bereit. Fünf oder sechs davon gehörten zur jüngeren Generation, der Rest wurde von ehemaligen Straußbuben und Straußmädchen aufgefangen. Damit war klar: Die Beeder Kerb findet statt.
Schon der Samstag gehörte der Kerb
Gefühlt begonnen hatte das Wochenende ohnehin längst. In der ESCALE-Weinlounge feierten Kathrin und Joachim Lenhard traditionell am Kerwesamstag ihren Saisonabschluss. Seit der Eröffnung 2021 gehört dieser Termin fest zum Kerbewochenende. Zwischen Wein, Cocktails und Essen trafen sich Beeder und Gäste aus der Umgebung – darunter auch zahlreiche ehemalige Straußmädchen.
Parallel dazu lockte der vierte Herbstmarkt am Turnerheim. Rund 20 Aussteller waren diesmal dabei, mit Likören, handgemachten Produkten, Kaffee und Kuchen sowie verschiedenen Mitmachangeboten. Vor allem für Kinder gab es einiges zu erleben. Bei „Tierisch Stark“ lernten sie zunächst etwas über den Umgang mit Ponys, anschließend durften sie selbst zu den Tieren. „Die dürfen die Ponys führen, Ponys streicheln, lernen, wie man damit umgeht“, erklärte eine Organisatorin. Auch die Resonanz stimmte: „Vom Besuch her ist es super gut bisher.“
„Der Kühlschrank ist voll, der Keller steht voller Wein und Bier“
Am Sonntag kam dann der Teil, auf den viele gewartet hatten: die Kerweredd. Felix Turk übernahm und machte schon zu Beginn deutlich, dass die beinahe ausgefallene Kerb nun umso gründlicher gefeiert werden sollte. „Der Kühlschrank ist voll, der Keller steht voller Wein und Bier“, hieß es aus der Rede. Und weil zur Beeder Kerb natürlich auch das eine oder andere Getränk gehört, bekam selbst die Frage der Fortbewegung ihre passende Antwort: „Statt Benzin tun wir Bier tanke.“
Damit war der Ton gesetzt. Die Kerweredd lebte wieder von dem, was solche Reden ausmacht: Dialekt, Übertreibung, Dorfgeschichten und kleine Spitzen gegen diejenigen, die im vergangenen Jahr genügend Stoff geliefert hatten. Auch die eigene Bedeutung wurde dabei nicht gerade klein geredet. In Beeden sei schließlich ordentlich etwas los – die Kerb, so hieß es augenzwinkernd, sei ohnehin „weltbekannt“.
Der ernsteste Satz kam mitten in der Kerweredd
Zwischen all den Späßen tauchte allerdings genau das Thema wieder auf, das die diesjährige Kerb beinahe verhindert hätte. Aus der Rede kam der deutliche Ruf nach Verstärkung für die kommenden Jahre. Sinngemäß lautete die Botschaft: Beeder Buben und Mädchen – die Straußjugend braucht Nachwuchs.
Damit traf die Kerweredd ziemlich genau das, was Kirchner zuvor im Gespräch geschildert hatte. Dieses Jahr konnte die Tradition noch einmal gerettet werden, weil frühere Generationen eingesprungen sind. Dauerhaft kann das aber keine Lösung sein.
Vom Rockabend bis zum Kerwespiel
Auch rund um das Sportheim war das gesamte Wochenende einiges geboten. Am Freitag eröffnete Stollwerk mit Rock und Pop das Kerbeprogramm. Am Samstagabend sorgten die Dorfjungs für Stimmung. Der Sonntag begann mit Frühschoppen, bevor am Nachmittag die Kerweredd folgte. Anschließend spielte Harald Keller live. Sportlich gehörte das Kerwespiel des SV Beeden gegen den SV Altstadt ebenfalls zum traditionellen Programm. Am Montag wurde schließlich beim Früh- und Dämmerschoppen noch einmal weitergefeiert.
Die vielleicht wichtigste Geschichte dieser Kerb
Am Ende bleibt von der Beeder Kerb 2026 deshalb mehr als nur ein gelungenes Festwochenende. Noch wenige Wochen zuvor hätte es gut sein können, dass eine über viele Jahrzehnte gepflegte Tradition zumindest für ein Jahr verschwindet. Erst als frühere Straußbuben und Straußmädchen einsprangen, bekam die Kerb wieder ihr gewohntes Gesicht.
Kirchner selbst macht darum auch kein großes Aufheben um ihre Rolle. „Ich lege keinen Wert drauf, dass ich erwähnt werde“, sagte sie. „Ich mache das fürs Dorf.“ Vielleicht beschreibt genau dieser Satz am besten, warum die Beeder Kerb in diesem Jahr doch noch stattgefunden hat.
Nicht weil alles reibungslos lief. Sondern weil sich im entscheidenden Moment genügend Menschen fanden, die sie nicht sterben lassen wollten. Und damit 2027 nicht wieder bis kurz vor Schluss gezittert werden muss, bleibt der wichtigste Satz des Wochenendes derselbe:
„Wir brauchen Nachwuchs, ganz dringend.“
Alle Bilder: Friedel Simon




















































































































