Symbolbild Foto: Deutsche Bahn AG / Tom Gundelwein

Das 9-Euro-Ticket ist vorerst Geschichte und die Rufe nach einem Nachfolgemodell werden immer lauter. Im Zuge einer Studie hat die Technische Universität München mehr als 2000 Menschen während der Zeit des 9-Euro-Tickets begleitet und sie regelmäßig befragt. Neben der Abfrage des Mobilitätsverhalten spielte dabei auch der Preis, den die Teilnehmenden bereit wären für ein Nachfolgeticket zu bezahlen, eine wichtige Rolle.

Rund 52 Millionen 9-Euro-Tickets wurden laut Bundesregierung im Zeitraum von Juni bis August deutschlandweit verkauft. Aber wieviel ist die Bevölkerung bereit für den Nachfolger eines solchen Angebots zu bezahlen? Das geht nun aus einem weiteren Zwischenbericht der Studie „Mobilität.Leben“ der Technischen Universität München (TUM) und der Hochschule für Politik München (HfP) hervor. Durchschnittlich 52,39 Euro würden die Teilnehmenden der Studie in der Metropolregion München für ein Nachfolgeangebot ausgeben. Damit liegt dieser Wert leicht über der durchschnittlichen Angabe bei der nationalen Befragung. Hier waren es 47,74 Euro. Die Zahlungsbereitschaft hängt dabei vor allem von der individuellen finanziellen Situation der Einzelnen ab. Personen mit höheren Einkommen können sich laut der Studie der Forschungsgruppe um Prof. Klaus Bogenberger und Dr. Allister Loder vom Lehrstuhl für Verkehrstechnik der TUM vorstellen, bis zu 15 Euro mehr im Monat zu bezahlen, als Menschen mit niedrigeren Einkommen.

Häufige Nutzung des Autos kein Grund weniger zu bezahlen

Spannend hierbei: Die häufige Nutzung des Autos ist anscheinend kein Grund dafür, weniger für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets auszugeben zu wollen. Die Zahlungsbereitschaft unterscheidet sich nicht vom Durchschnitt der anderen Studienteilnehmenden. Anders sieht das bei Menschen aus, die ohnehin viel mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, hier steigt die Zahlungsbereitschaft um bis zu 18 Euro im Monat, verglichen mit anderen befragten Gruppen. Generell zeigt die Studie also, dass die derzeit diskutierten 49 Euro pro Monat für ein Nachfolgeticket sehr nahe an dem liegen, was die Bevölkerung im Durchschnitt bereit wäre zu zahlen.

Rund 9 Prozent der Teilnehmenden nutzten den ÖPNV öfter

Ein weiterer Aspekt der TUM-Studie zum 9-Euro-Ticket ist die Verschiebung der getätigten Fahrten zwischen Auto und Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Hier zeigt sich, dass 8,6 Prozent der Befragten angaben, das Auto öfter stehen zu lassen und mehr mit Bus und Bahn zu fahren. Blickt man nur auf Personen die mindestens vier Tage in der Woche mit dem Auto unterwegs waren, liegt der Anteil sogar bei 18 Prozent.

App-Daten und Abschluss-Bericht folgen

Mit dem nun dritten Zwischenbericht beleuchtet die Studie neue Aspekte, die im vorherigen Bericht von Juli 2022 noch nicht behandelt wurden. Bis zum abschließenden Ergebnis der Studie werden aber noch ein paar Wochen vergehen. Das Forschungsteam ist gerade dabei, die durch eine Smartphone-App mit Live-Tracking gewonnenen Daten zum tatsächlichen Mobilitätsverhalten auszuwerten. Erst dann ist eine abschließende Vorstellung aller Studienergebnisse möglich. Der kürzlich gegründete TUM Think Tank wird die Ergebnisse dann mit Bürgern diskutieren sowie Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiten.

Insgesamt 2268 Personen haben an der Studie über den gesamten Zeitraum teilgenommen, 1349 von ihnen stammen dabei aus der Metropolregion München, 919 gehörten zur deutschlandweiten Kontrollgruppe. Die Studie teilt sich in drei Befragungen auf: vor, während und nach der Nutzung des 9-Euro-Tickets. Zudem gibt eine Smartphone-App Auskunft über das Mobilitätsverhalten der Teilnehmenden, hier ist die Kontrollgruppe ausgeschlossen.

Koordiniert wird die Studie der TUM und der Hochschule für Politik München (HfP) vom TUM Think Tank in enger Zusammenarbeit mit „MCube – Dem Münchner Cluster für die Zukunft der Mobilität in Metropolregionen“. An der interdisziplinären Forschungsgruppe sind die Professuren für Verkehrstechnik, Data Analytics and Machine Learning, Economics, Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme, Fahrzeugtechnik, Innovationsforschung, Policy Analysis und Umwelt- und Klimapolitik beteiligt. Begleitet wird das Projekt durch eine Kommission u.a. mit Vertretern des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, der Landeshauptstadt München, des Münchener Verkehrsverbunds (MVV) und der Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG).

Originalpublikation: https://arxiv.org/abs/2208.14902

Vorheriger ArtikelGesetzliche Neuregelungen: Energiepreispauschale wird ausgezahlt – Mehr Gehalt in der Pflege
Nächster ArtikelBürgerbüro der Stadt Bexbach zeitweise geschlossen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.