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Die Zahlen aus Wiesbaden lesen sich auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht: In den ersten sieben Monaten des Jahres genehmigten die Behörden bundesweit 148.800 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Das ist ein Plus von 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Der Aufwärtstrend bei den Genehmigungen erzählt nur die halbe Wahrheit.

Denn parallel zu den steigenden Papieren zeigt der reale Auftragseingang nach unten. Auch die Stornierungen bleiben ein Warnzeichen. Laut der Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts lagen sie im August bei 13 Prozent. Das ist zwar deutlich weniger als auf dem Höhepunkt im Jahr 2023, gegenüber dem Vorjahr sind die abgesprungenen Aufträge aber wieder gestiegen.

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„Die Indikatoren zeigen deutlich, dass der Wohnungsbau den Wendepunkt noch nicht erreicht hat“, ordnet Tim-Oliver Müller die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ein. Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie verweist zudem auf die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die ihre Prognosen für die Branche zuletzt nach unten korrigiert haben und für 2026 sogar von rückläufigen Bauinvestitionen ausgehen.

Ein genauer Blick auf die Segmente unterstreicht die positive Seite der Bilanz. Im Geschosswohnungsbau, auf den zwei Drittel des Neubaus entfallen, setzte sich der Aufwärtstrend fort: Von Januar bis Juli 2026 wurden hier 79.700 Wohnungen genehmigt, ein Zuwachs von 15,1 Prozent. Auch Ein- und Zweifamilienhäuser legten zu. Rund 36.800 Wohnungen erhielten grünes Licht, das sind 13,0 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch diese Werte dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kommenden Monate mit einem großen Fragezeichen versehen seien, warnt Müller. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und schwierige Finanzierungsbedingungen setzten Investoren und Bauherren gleichermaßen unter Druck. „Zunehmende Meldungen über Liquiditätsengpässe und sinkende Eigenkapitalquoten spiegeln wider, wie angespannt die Situation ist“, so der Verbandschef.

Seine Kritik richtet sich klar an die Politik. Bund und Länder müssten in ihrer Wohnungsbaupolitik umsteuern, fordert Müller. Dass in den Bundeshaushaltsverhandlungen erneut kein Wachstumssignal für das kommende Jahr gesetzt werde, sei das falsche Signal zur falschen Zeit. „Wer bezahlbaren Wohnraum will, darf Investitionen nicht zusätzlich ausbremsen“, mahnt er. Ebenso dürften Bauherren nicht länger darauf warten, dass der sogenannte Gebäudetyp E endlich aus den Abstimmungsrunden herauskomme und in die Umsetzung gehe.

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