Welches Land hat das beste Rentensystem? Darauf gibt es zwar keine einfache Antwort, aber mithilfe der „Pension Maps“ des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik nun erstmals eine leicht verständliche Übersicht über die Alterssicherung in zehn Ländern. Anhand einfacher Grafiken lässt sich auf einen Blick ablesen, wie die Alterssicherung in einem Land organisiert ist, welche Sicherungsfunktion die verschiedenen Teile des Systems haben, wer Zugang zu einer Zusatzversorgung hat und wie hoch das durchschnittliche Rentenniveau in einem Land im Vergleich zum Durchschnitt in Europa und der OECD ist.

„Die Idee der Pension Maps ist, die aufgrund ihrer historischen Wurzen teilweise sehr unterschiedlichen Alterssicherungssysteme auf eine für jeden verständliche Weise sichtbar zu machen und miteinander vergleichen zu können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Becker, Direktor am Institut und Leiter der sozialrechtlichen Abteilung, die die Pension Maps in Zusammenarbeit mit Sozialrechtsexpert/innen aus ganz Europa erstellt hat. So lässt sich schnell erkennen, dass die deutsche gesetzliche Rentenversicherung nicht die gesamte Bevölkerung umfasst wie dies bei der staatlichen Rentenversicherung in Norwegen der Fall ist. Dafür ist das deutsche Rentensystem weniger stark in verschiedene Berufsgruppen zersplittert als das französische, das besonders deutlich macht, wieso Rentenreformen aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Interessen so schwierig sind.

Von einem besonders großzügigen Rentensystem profitieren die Österreicher. Nicht nur liegt hier die Netto-Lohnersatzrate aus der gesetzlichen Rente nach OECD-Angaben für eine/n Standardrentner/in (Person, die die je nach Land erforderlichen Jahre für den regulären Renteneintritt in Vollzeit zu einem Durchschnittsverdienst gearbeitet hat) bei 89,9% (Deutschland: 51,9%). Die österreichische Rentenversicherung gewährt, nach einer Einkommensprüfung, auch eine Ausgleichszulage, die eine Mindestrente garantiert. Langjährig Versicherte können darüber hinaus noch einen Pensionsbonus erhalten. Demgegenüber ist eine Mindestsicherung kein explizites Ziel der wenig umverteilenden deutschen gesetzlichen Rentenversicherung. Und während das Renteneintrittsalter für Deutsche bis 2029 auf 67 Jahre erhöht wird, können Österreicher weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen.

Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde für die Darstellung der Rentensysteme ein Kategoriensystem entwickelt, das Rechtsform, Funktion, Zugangsberechtigung, Art der Zugehörigkeit (verpflichtend oder freiwillig), Bedürftigkeitsprüfung sowie Finanzierungsarten und -quellen umfasst. Ausgegangen wird zudem von einer Person, die im Jahr 2020 ins Berufsleben und damit als Beitragszahler in das Alterssicherungssystem eintritt.

Alle Pension Maps und ergänzenden Informationen sind auf der Homepage des Instituts frei verfügbar. Zu jeder Pension Map gibt es neben einer kurzen allgemeinen Zusammenfassung auch tabellarische Übersichten über die wichtigsten institutionellen Merkmale, Finanzierungsmechanismen, Anspruchsvoraussetzungen und Leistungen. Die erste jetzt veröffentlichte Welle umfasst die Länder Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Großbritannien, Griechenland, Norwegen, die Tschechische Republik, Slowenien und Bulgarien. In den kommenden Monaten wird der Renten-Atlas um 22 weitere Länder ergänzt.

Originalpublikation: Schneider S. M., Petrova T., Becker U. (eds.), Pension Maps: Visualising the Institutional Structure of Old Age Security in Europe. Munich: MPISOC, 2021

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