Symbolbild

Der Impffortschritt hat hierzulande deutlich an Fahrt verloren. Wie dennoch eine erfolgreiche Impfkampagne gelingen kann, das hat eine Studie der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen am Bodensee in internationaler Zusammenarbeit gemeinsam mit der Universität Mannheim (Martin Sievert) und der Georgetown University in Washington, D.C. (Prof. Dr. Sebastian Jilke, ein ZU-Alumnus) untersucht. Als einer der wichtigsten Faktoren erwies sich dabei, dass Politik und Verwaltung vor Ort aktiver auf Bürgerinnen und Bürger zugehen.

„In Deutschland und weiteren europäischen Ländern läuft seit Beginn des Sommers eine Debatte über abnehmende Impfbereitschaft und nicht wahrgenommene Impftermine. Vor diesem Hintergrund wird über verschiedene Maßnahmen diskutiert, darunter Anreize, Sanktionen oder eine Impfpflicht“, erläutert Dr. Florian Keppeler vom Lehrstuhl für Public Management & Public Policy an der ZU den Hintergrund der Studie. „Jedoch eröffnen sich aus unserer Sicht auch mildere Maßnahmen wie zum Beispiel gezielte Anreize aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht, die einen zusätzlichen Beitrag zur Steigerung der Impfbereitschaft leisten können.“

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Nauheim und den dort ansässigen Kliniken Kerckhoff-Klinik und Gesundheitszentrum Wetterau. In einem offiziellen Schreiben, das gemeinsam vom Bürgermeister und den Ärztlichen Direktoren unterzeichnet war, wurde die gesamte Stadtbevölkerung der über 18-Jährigen und damit rund 27.000 Personen zur Impfung gebeten und auf deren Vorteile hingewiesen. Die eine Hälfte der Adressatinnen und Adressaten erhielt dabei einen allgemein formulierten Brief, die andere Hälfte einen solchen, in dem sie persönlich zu „Ihrer Impfung“ eingeladen wurden. Das Ergebnis: Die zweite Gruppe, die persönlich angesprochen wurde, zeigte ein um 39 Prozent erhöhtes Impfinteresse. Umgerechnet auf das gesamte Bundesgebiet, so haben die Autoren der Studie berechnet, könnte ein solches Vorgehen in der Gruppe derjenigen, die noch nicht geimpft sind, dazu führen, dass bis zu 2,8 Millionen Menschen zusätzlich Interesse an einer Impfung haben.

„Die Befunde der vorliegenden Studie veranschaulichen, dass es für das Ziel einer hohen Impfbereitschaft nützlich ist, wenn Politik und Verwaltung aktiv auf die Bevölkerung zugehen“, fasst Keppeler zusammen. Als besonders erfolgversprechend sieht er die direkte Ansprache der Bürgerinnen und Bürger ebenso an wie das Einbinden von Personen, „die vor Ort in der Regel eine hohe Reputation beziehungsweise Vertrauen genießen wie im vorliegenden Fall der Bürgermeister und die örtlichen Klinikchefs“. Wichtig sei es zudem, Impfinteressierten gegenüber den Zugang zu Informationen und Impfterminen zielgruppengerecht zu kommunizieren und überhaupt „so einfach wie möglich zu halten“. Insgesamt sehen sie Studienautoren Aufwand und Kosten im Vergleich zum potenziellen Nutzen, insbesondere durch eine höhere Impfquote, in der Gesamtschau als vergleichsweise gering an.

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