Foto: Ferdinand Knauß
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Ein St. Ingberter kehrt für einen Abend an seinen Ausgangspunkt zurück – mit einem Buch, das den Zustand der westlichen Demokratien schonungslos seziert. Am Donnerstag, 29. Oktober, lädt der Journalist und Autor Ferdinand Knauß um 19.30 Uhr zu einer Lesung ein. Gastgeber sind das St. Ingberter Literaturforum und die Stadtbücherei St. Ingbert.

Knauß ist in St. Ingbert aufgewachsen, heute lebt er in Düsseldorf. Sein Weg führte ihn über das Studium der Geschichte und Japanologie nach Düsseldorf, Nantes und Tokio. Berufliche Stationen waren unter anderem die Wirtschaftswoche und das Handelsblatt. Derzeit arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift Cicero. Zuletzt legte er 2018 den Band „Merkel am Ende“ vor.

An diesem Abend rückt sein aktuelles Werk in den Mittelpunkt: „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“. Der Untergang des westlichen Gesellschaftsmodells wurde schon vor über hundert Jahren beschworen. Doch erst heute, so Knauß, schwindet dessen Einfluss tatsächlich. Seine provozierende Frage: Haben nicht ausgerechnet jene, die am lautesten klagen, den Verfall selbst mitverursacht?

Foto: Klampen Verlag

Dass die liberalen Demokratien unter Druck stehen, gilt als weithin anerkannt. Meist werden dafür die wachsende Macht autoritärer Staaten und populistische Bewegungen verantwortlich gemacht. Knauß hält diese Erklärung für zu bequem. Er sucht die Wurzeln des Niedergangs weiter zurück – mehr als fünf Jahrzehnte, im Konflikt zwischen der Kriegsgeneration und ihren Kindern, den „Achtundsechzigern“.

Die akademischen Wortführer der Nachkriegszeit hätten nicht nur die Aufarbeitung historischer Schuld verlangt, so seine These, sondern den Aufstand gegen das westliche Modell selbst propagiert. Ihr Ziel erreichten sie zunächst nicht. Doch über den „Marsch durch die Institutionen“ gelangten sie an die entscheidenden Schaltstellen und beanspruchen seither die Deutungshoheit.

Die Konsequenz beschreibt Knauß pointiert: Liberale Demokratie diene nicht mehr als Regelwerk einer pluralistischen Gesellschaft, sondern als moralische Blaupause zur Durchsetzung universeller Ziele. Ein Anspruch, der nach Ansicht des Autors zunehmend an der Realität scheitert. Ob man seine Deutung teilt oder ihr widerspricht – der Abend dürfte Stoff für Diskussionen liefern.

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Der Eintritt ist frei. Wer teilnehmen möchte, meldet sich bei der Stadtbücherei unter der Telefonnummer 06894/9225711 oder per E-Mail an stadtbuecherei@st-ingbert.de an.

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