An den vier Adventssamstagen dieses Jahres können die Menschen im Saarland kostenlos Bus und Bahn nutzen. Das kündigte Verkehrsministerin Petra Berg am 22. September vor der Landespressekonferenz an. Am 28. November sowie am 5., 12. und 19. Dezember entfällt landesweit die Pflicht zum Ticketkauf. Ziel der Landesregierung ist es, den stationären Einzelhandel zu stärken und die Innenstädte zu beleben.
Die Idee ist nicht neu, aber erprobt. Beim Tag der Deutschen Einheit 2025 fuhr der Nahverkehr im Saarland schon einmal umsonst – mit spürbarer Wirkung. „Der Tag der Deutschen Einheit hat gezeigt, welch großen Effekt ein gutes Angebot zu unschlagbarem Preis haben kann. Wir testen das im Advent aus, um den stationären Einzelhandel zu fördern“, erklärte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Die Aktion soll ausdrücklich als Wirtschaftsförderung verstanden werden und nicht aus Regionalisierungsmitteln bezahlt werden.
Für Ministerin Berg geht es dabei um mehr als um freie Fahrt. Sie setzt auf den Reiz des Bummelns vor Ort: „Kein Online-Versand der Welt ersetzt das wunderbare Heimatshopping mit guter Beratung und Flanieren durch die saarländischen Innenstädte.“ Wer im Advent shoppen geht, soll das Auto guten Gewissens stehen lassen können.
Parallel zieht die Landesregierung eine dauerhafte Konsequenz aus den Erfahrungen des Vorjahres. Ab Dezember verkehrt an den Wochentagen eine neue Expressbuslinie zwischen Wadern und Saarbrücken. „Die rege Nutzung der Zusatzbusse am Tag der Deutschen Einheit hat gezeigt, dass die Saarländerinnen und Saarländer gerne den Öffentlichen Nahverkehr im Land nutzen und zu einer klimafreundlichen Mobilität beitragen, wenn das Angebot stimmt“, so Berg. Die Abonnentenzahlen im saarländischen ÖPNV bewegten sich zudem auf einem hohen Niveau.
Die Auswahl der Strecke beruht auf einer Analyse der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, die das Verkehrskonzept des Einheitsfestes ausgewertet hatte – unter anderem durch Befragungen der Fahrgäste auf den Sonderlinien. Dabei zeigte die Linie X22 das größte Potenzial für den Regelbetrieb. Vorgesehen war sie ohnehin schon im Verkehrsentwicklungsplan. Das Land trägt die Finanzierung und rechnet mit jährlichen Kosten von rund 700.000 Euro.
Umgesetzt wird die Linie durch den Zweckverband Personennahverkehr Saarland. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 soll die X22 an den Start gehen, zunächst befristet auf eine zweijährige Testphase. Ob sie sich bewährt, wird sich also erst zeigen.
Regierungssprecher Julian Lange, der das Einheitsfest 2025 als Projektleiter verantwortete, sieht die Landesregierung auf dem richtigen Weg. „Wir haben beim Tag der Deutschen Einheit gezeigt, dass die Saarländerinnen und Saarländer Bus und Bahn nutzen, wenn das Angebot gut und bezahlbar ist und der ÖPNV nicht ständig schlechtgeredet wird“, sagte er. Das Landesfest, das mit über 400.000 Besucherinnen und Besuchern als größtes seiner Art in der saarländischen Geschichte gilt, habe dem Ausbau noch einmal einen kräftigen Schub gegeben.



















