„Beim Nudging gibt es immer ein Informationsgefälle. Wenn zum Beispiel der Staat Nudging einsetzt, bestimmt er das Verhalten der Bürger, indem er entscheidet, was gut für sie ist und sie mit Maßnahmen in diese Richtung stupst. Die Bürger wissen manchmal nicht mal, dass oder wie sie genudged werden. Die Gefahr des paternalistischen und manipulierenden Staats steht im Raum“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Zudem könne die Politik dadurch nur Veränderungen im öffentlichen Raum erreichen, obwohl viele Entscheidungen im privaten Raum gefällt werden. Mit Self-Nudging lässt sich sowohl das Problem des Informationsgefälles als auch die Unzugänglichkeit des privaten Raums umgehen. 

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Ein typisches Beispiel für einen Nudge ist die Platzierung von Obst auf Augenhöhe an der Kasse von Mensen und Schulkantinen, während der Kuchen in einer hinteren, schwer erreichbaren Ecke versteckt wird. Da die Politik um die langfristig gesundheitsschädliche Wirkung von der angeborenen Lust auf Süßes weiß, könnte sie durch die Veränderung der Essensplatzierung in öffentlichen Mensen die Entscheidungen der Menschen beeinflussen. 

Doch schon beim Abendessen zu Hause kommen diese Nudges nicht mehr an. Der Self-Nudger hingegen erkennt, welche Faktoren in der Umgebung seine Selbstkontrolle auf die Probe stellen und kann sich die gleichen evidenzbasierten Prinzipien, wie sie beim Nudging im öffentlich Raum verfolgt werden, zunutze machen. So könnte er beispielsweise entscheiden, Süßigkeiten in der eigenen Küche ganz hinten im obersten Küchenregal aufzubewahren. 

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„Auf diese Weise ist es nicht mehr der Staat, der uns anstupst, sondern wir stupsen uns selbst an – sofern wir es möchten. Und wenn der Staat gezielt und verständlich über Wege zum Self-Nudging informiert, beispielsweise mit Faktenboxen, Apps oder Broschüren, kann er gesellschaftlich akzeptierte Ziele wie eine gesündere Ernährung verfolgen, indem er Bürger dabei unterstützt, aufgeklärte und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

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