Symbolbild
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Was vor zwei Jahren noch die Sache einiger weniger Pioniere war, ist heute betrieblicher Alltag: Erstmals arbeitet die Mehrheit der deutschen Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz. 57 Prozent setzen die Technologie inzwischen ein – vor einem Jahr lag der Wert bei 36 Prozent, 2024 bei gerade einmal 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einstieg. Dass KI überhaupt kein Thema sei, sagen nur noch vier Prozent, verglichen mit 41 Prozent vor zwei Jahren. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Doch der Einzug in die Breite bedeutet noch lange keinen Durchbruch. Kein einziges Unternehmen, das KI nutzt, sieht das Potenzial der Technologie vollständig ausgeschöpft, nur drei Prozent glauben, es zumindest stark auszureizen. 59 Prozent räumen ein, die Möglichkeiten überhaupt nicht zu nutzen – ein Wert, der sich vom Kleinbetrieb bis zum Konzern kaum unterscheidet. „Künstliche Intelligenz ist keine Sache einzelner Vorreiter, sie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen. Und das in einem Tempo, das wir bei keiner Technologie zuvor gesehen haben“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Für die meisten ist damit aber nur der Einstieg geschafft, die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.“

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Grundsätzliche Skepsis gegenüber der Technologie ist in den Chefetagen fast verschwunden. 91 Prozent halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie, nur noch acht Prozent sehen darin einen überschätzten Hype – 2024 war es noch jedes vierte Unternehmen. Und doch liegen Zuversicht und Verunsicherung dicht beieinander. 56 Prozent glauben, Deutschland habe bei KI den Anschluss verloren. 34 Prozent fürchten sogar, die Technologie könne die Existenz ihres Unternehmens gefährden. Besonders bemerkenswert: Ein Drittel der KI-Anwender gibt offen zu, die Technologie vor allem aus Angst einzusetzen, sonst abgehängt zu werden.

„Dieselben Unternehmen, die in KI die entscheidende Technologie der kommenden Jahre erkennen, fürchten gleichzeitig, durch sie um ihre Existenz gebracht zu werden“, fasst Wintergerst diesen Zwiespalt zusammen. Wo KI zum Einsatz kommt, verschiebt sie sich zunehmend von der Kundenschnittstelle in die Tiefe der Betriebe. Am häufigsten arbeitet sie noch bei Kundenanfragen (72 Prozent) sowie in Marketing und Kommunikation (54 Prozent). Deutlich zugelegt haben aber Felder wie internes Wissensmanagement, das sich von elf auf 22 Prozent verdoppelt hat, oder der Vertrieb, wo der Einsatz von fünf auf 14 Prozent stieg.

Dass sich die Investitionen lohnen, bestätigen viele Anwender. Zwei Drittel haben ihre Wettbewerbsposition verbessert, knapp die Hälfte konnte interne Prozesse spürbar beschleunigen, 36 Prozent haben mithilfe von KI sogar völlig neue Produkte entwickelt. Entsprechend fließt weiter Geld: 45 Prozent aller Unternehmen geben 2026 mehr für KI aus als im Vorjahr. Dabei entfallen die größten Posten nicht etwa auf Software-Lizenzen, sondern auf Infrastruktur, die Aufbereitung von Daten und die Integration in bestehende Systeme. „Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert“, so Wintergerst.

Was den Einsatz weiterhin bremst, unterscheidet sich je nach Erfahrungsstand. Unternehmen ohne KI klagen vor allem über fehlendes technisches Know-how (85 Prozent), wer die Technologie bereits nutzt, ringt eher mit Datenschutzanforderungen (66 Prozent) und rechtlicher Verunsicherung. Ein Treiber der Unsicherheit ist der europäische AI Act: 66 Prozent der Unternehmen sehen in ihm mehr Nach- als Vorteile für den Standort. „Der AI Act sollte Vertrauen schaffen, erzeugt aber weitverbreitete Unsicherheit“, kritisiert Wintergerst und fordert rasch rechtliche Klarheit und praxistaugliche Standards.

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Beim Reizthema Arbeitsplätze zeigt sich, dass Erfahrung die Sorgen dämpft. Zwar rechnen viele Betriebe mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl, doch Unternehmen mit KI-Erfahrung erwarten deutlich seltener einen starken Stellenabbau und doppelt so häufig sogar ein Plus. „KI wird Tätigkeiten verändern, manche Berufsbilder werden verschwinden, andere neu entstehen“, sagt Wintergerst. Für eine alternde Volkswirtschaft mit Fachkräftemangel und stagnierender Produktivität sei das „keine Bedrohung, sondern eine Chance“.

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