Ein geplanter Waldverkauf in Bexbach sorgt für scharfe Kritik aus der Politik. Wie die Grünen im Saarpfalz-Kreis mitteilen, gehört ein Großteil des sogenannten „Lenhards Wäldchen“ der protestantischen Kirche – und deren zuständiges Presbyterium hat dem Verkauf der Fläche bereits zugestimmt. Auf dem Areal soll ein Gewerbegebiet entstehen. Für den Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen ist das ein Vorgang, der grundlegende Fragen aufwirft.
Besonders die Rolle der evangelischen Kirche als Eigentümerin stößt den Grünen bitter auf. „Es ist ein Skandal, dass ausgerechnet eine Institution wie die evangelische Kirche, die sich dem Erhalt der Schöpfung verpflichtet fühlen sollte, bereit ist, wertvollen Wald und dessen Bewohner für kurzfristige wirtschaftliche Interessen zu verkaufen“, erklärte Lisa Becker, Kreisvorsitzende der Grünen im Saarpfalz-Kreis und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Wahlkreis Neunkirchen. Gerade die Kirche stehe in einer besonderen ethischen Pflicht, natürliche Lebensgrundlagen zu bewahren, so Becker weiter.
Der Kreisverband fordert die Kirche auf, ihre Verkaufsabsichten zurückzunehmen. Wälder seien als CO₂-Speicher, als Rückzugsorte für bedrohte Arten und als Regulatoren des Wasserhaushalts schlicht unverzichtbar. Auch für die Lebensqualität der Menschen vor Ort spiele das gewachsene Waldgebiet eine zentrale Rolle. Dass man ein solches Ökosystem durch Ausgleichsmaßnahmen in Höchen oder Baumpflanzungen an anderen Standorten gleichwertig ersetzen könne, hält Becker für eine Illusion: „Das wird weder der ökologischen Bedeutung des Waldes noch der aktuellen Klimakrise auch nur ansatzweise gerecht.“
Über den konkreten Fall hinaus nehmen die Grünen eine Praxis ins Visier, die sie als strukturelles Problem betrachten. Kommunen versiegelten immer wieder Grünflächen für neue Gewerbegebiete, um ihre Steuereinnahmen zu steigern – sogenannte Greenfields. Was fehle, sei eine durchdachte Strategie zur Reaktivierung bereits vorhandener Brach- und Gewerbeflächen, der sogenannten Brownfields. Gerade im Saarpfalz-Kreis, aber auch im gesamten Saarland, gebe es davon reichlich.
Becker verwies darauf, dass zahlreiche versiegelte oder brachliegende Gewerbeflächen im Kreisgebiet existierten, die vorrangig entwickelt werden müssten, bevor intakte Natur geopfert werde. „Wir brauchen endlich eine konsequente Nutzung von Brownfields und keine erneute Versiegelung unserer Landschaft“, forderte sie. Grünflächen seien wertvolle Speicher für CO₂ und Wasser, verbesserten die Luftqualität und stellten den wirksamsten Schutz gegen die Folgen der Erderhitzung dar.
Dass eine intakte Waldfläche weichen soll, während andernorts ungenutzte Brachflächen vor sich hin dämmern, sei der Bevölkerung nicht zu vermitteln, betonte die Kreisvorsitzende. Die Grünen erwarten nach eigener Aussage ein klares Umdenken – sowohl bei der evangelischen Kirche als Eigentümerin als auch bei den kommunalen Entscheidungsträgern, die das Gewerbegebiet vorantreiben. Der Konflikt um Lenhards Wäldchen dürfte die politische Debatte in Bexbach und im Saarpfalz-Kreis in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.



















