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Zu der Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, die flächendeckende Einführung des eRezepts auszusetzen, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

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„Es ist gut, dass das Bundesgesundheitsministerium die Warnungen der Leistungserbringerorganisationen in der gematik ernst nimmt und vor dem bundesweiten Rollout des eRezepts zunächst die Testphase fortsetzen und ausweiten will. Das eRezept verändert bestehende, eingespielte Arbeitsabläufe in Praxen und Kliniken. Ärzte werden dies nur akzeptieren können, wenn die neuen Prozesse sicher, störungsfrei und zügig ablaufen. Dafür sind intensive und flächendeckende Tests in einer dauerhaft betriebenen Pilotregion notwendig. Zudem muss die Beendigung der erfolgreichen Testung an transparente Qualitätskriterien geknüpft werden, die jeder Anbieter zu erfüllen hat.

Die bisherigen Tests in der Fokusregion Berlin-Brandenburg waren leider nicht aussagekräftig. So sollten für einen bundesweiten Rollout mindestens 1.000 eRezepte ausgestellt und erfolgreich abgerechnet werden – Anfang Dezember waren es lediglich 42. Zudem konnte weder die Anzahl der teilnehmenden Systeme in den Arzt-, Zahnarztpraxen beziehungsweise Apotheken noch die Anzahl der teilnehmenden Krankenkassen im Test erreicht werden. Die Ärzteschaft unterstützt ausdrücklich die Einführung des eRezepts und wird sich konstruktiv in die weiteren Tests einbringen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, digitale Anwendungen in der Versorgung zu etablieren, die praxistauglich sind, die die Sicherheit der Patienten gewährleisten und einen echten Mehrwert in der Versorgung bieten.“

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Auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) begrüßt die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, die Testphase für das eRezept über den 31. Dezember 2021 hinaus zu verlängern. Dass die flächendeckende Einführung der elektronischen Verordnung zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden soll, ist für den DAV-Vorsitzenden Thomas Dittrich ein konsequenter Schritt: “Wir sind generell für das eRezept und seine zügige Einführung. Was die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur angeht, sind die Apotheken auch längst eRezept-ready. Aber betrachtet man den kompletten Prozess von der Verordnung über die Einlösung und Quittierung bis hin zur Abrechnung des eRezeptes, dann gibt es noch erhebliche technische Probleme. Sie sollten vor der Einführung behoben sein, sonst wird die Versorgungssicherheit der Patienten gefährdet. Und die ist in der laufenden Pandemie doppelt wichtig.”

Eine Pflichteinführung des eRezeptes zum Jahreswechsel hätte laut Dittrich auch wirtschaftliche Risiken für die Apotheken mit sich gebracht: “Es gibt Unstimmigkeiten im elektronischen Signaturverfahren. Solange sie nicht ausgeräumt sind, läuft die Apotheke Gefahr, nach der Belieferung des eRezeptes retaxiert zu werden, also keine Vergütung zu bekommen. Das ist nicht akzeptabel.” Die Verlängerung der Testphase biete die Chance, die technischen Probleme zu lösen und den flächendeckenden Rollout dann in einem geordneten und sicheren Verfahren zügig zu bewerkstelligen.

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