Nach dem enttäuschenden 0:1 in Steinbach steht der FC 08 Homburg am Samstag wieder vor heimischem Publikum unter Zugzwang. Um 14 Uhr kommt mit der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz zwar der Tabellenvorletzte ins Waldstadion – ein Selbstläufer wird die Partie aber schon wegen des Trainerwechsels bei den Gästen nicht. Dazu muss Roland Seitz ausgerechnet offensiv auf Hilal El-Helwe verzichten. Der Angreifer wird nach einer disziplinarischen Maßnahme vorerst nicht für den Spieltagskader berücksichtigt.
Über die genauen Hintergründe hat der Verein bislang keine Angaben gemacht. Im Umfeld wird über eine vorausgegangene Diskussion zwischen El-Helwe und dem Trainer gesprochen, bestätigt ist das allerdings nicht. Fest steht deshalb zunächst nur die Entscheidung des FCH: Der Offensivspieler, der in dieser Saison bereits wichtige Tore erzielt hat, fehlt gegen Fulda.
Dazu braucht es Offensiv – eben ohne El-Helwe – eine deutliche Steigerung. Der FCH kommt häufig ordentlich bis zum Sechszehner, findet anschließend aber zu selten einen Abnehmer im Strafraum. Genau dort will Seitz ansetzen. Es müssten mehr Spieler in den Sechzehner nachrücken, gleichzeitig fordert der Trainer auch häufiger den Abschluss aus der Distanz. „Wir spielen viel, wir machen viel klein, klein“, sagt Seitz. Man müsse sich aber auch einmal zutrauen, aus der zweiten Reihe abzuziehen.
Mit Fulda wartet nun ein Gegner, dessen bisherige Bilanz eigentlich deutlich für Homburg spricht. Fünf Punkte aus neun Spielen, nur ein Sieg und bereits 21 Gegentore bedeuten den vorletzten Tabellenplatz und aktuell die schwächste Defensive der Liga. Trotzdem wäre es zu einfach, daraus einen Pflichtsieg abzuleiten. Die Mannschaft ist gegenüber der vergangenen Saison weitgehend zusammengeblieben und verfügt über reichlich Regionalliga-Erfahrung.
Vor allem aber ist seit dieser Woche vieles neu. Nach dem 1:5 beim VfR Mannheim trennte sich die SG Barockstadt von Daniyel Cimen. Sein Nachfolger Miroslav Jagatic leitete erst am Mittwochabend seine erste Einheit und feiert ausgerechnet im Homburger Waldstadion sein Pflichtspieldebüt. Der 50-Jährige will zunächst an den Grundlagen arbeiten und seine Spieler stärker nach ihren jeweiligen Stärken einsetzen. Wie Fulda taktisch auftreten wird, ließ er bewusst offen – Jagatic setzt für sein Debüt auch auf den Überraschungseffekt.
Das macht die Vorbereitung für Homburg schwieriger. Auch Seitz weiß nicht genau, welche Veränderungen der neue Trainer innerhalb weniger Tage vornehmen wird. „Was hat der neue Trainer vor? Was wird geändert am Personal? Was wird geändert an der Taktik?“, beschreibt der FCH-Coach die offenen Fragen. Trotzdem bleibt sein eigener Auftrag eindeutig: „Wir spielen zu Hause. Wir wollen zu Hause gewinnen. Wir wollen zu Hause den Dreier holen.“
Auch Aaron Manu erwartet deshalb einen Gegner, der mit neuem Schwung nach Homburg kommen wird. „Die Karten werden neu gemischt“, sagt der Innenverteidiger. Jeder Spieler wolle sich unter einem neuen Trainer neu zeigen. Der FCH müsse deshalb „wirklich hochkonzentriert“ in die Partie gehen. Das gilt auch für die eigene Defensive. Trotz teilweise stabiler Auftritte wartet Homburg nach neun Ligaspielen weiterhin auf die erste Partie ohne Gegentor. Manu sieht dabei vor allem einzelne Situationen, in denen sich der FCH das Leben selbst schwer macht. „Ganz konsequent, hochkonzentriert verteidigen“, lautet deshalb seine Forderung. Viele Spiele hätten aus seiner Sicht durchaus die Möglichkeit für eine Null hergegeben.
Personell gibt es neben dem El-Helwe-Ausfall zumindest Fortschritte. Michael Guthörl absolvierte unter der Woche 60 Minuten für die U23 und soll gegen Fulda wieder zum Kader gehören. Nico Jörg ist ebenfalls im regulären Trainingsbetrieb, hat nach seiner langen Verletzung aber noch nicht wieder vollständig das Vertrauen in Sprint- und Schussbewegungen. Frederik Schumann und Jacob Roden fehlen weiterhin langfristig.
Gerade offensiv werden damit andere Spieler mehr Verantwortung übernehmen müssen. Emir Kuhinja dürfte im Zentrum besonders gefragt sein, daneben stehen Seitz mit Julian Günther-Schmidt, Birkan Çelik, Armend Qenaj, Marc Ehrhart und Manuel Feil verschiedene Varianten zur Verfügung. Entscheidend wird weniger sein, wer beginnt, sondern ob Homburg wieder mehr Tempo, Präsenz und Klarheit in das letzte Drittel bekommt.
Denn bei allem Respekt vor dem Trainerwechsel des Gegners bleibt die Ausgangslage eindeutig: Der FCH hat zu Hause die Qualität, diese Partie zu gewinnen. Aber auch die Pflicht. Nach dem Auftritt in Steinbach muss wieder mehr kommen – spielerisch, in den Zweikämpfen und vor allem im Strafraum. Manu bringt es schlicht auf den Punkt: „Einfach unsere Hausaufgaben erledigen, einfach bleiben, bei den Basics bleiben.“




















