Deutschland hat einen neuen Bestwert bei der grünen Stromversorgung erreicht. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2026 deckten erneuerbare Energien 60,7 Prozent des Stromverbrauchs im Land – vier Prozentpunkte mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bemerkenswert dabei ist, dass dieser Rekord gelang, obwohl der Stromverbrauch zugleich um 1,6 Prozent zulegte. Die Zahlen gehen aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor.
Unterm Strich produzierten die Anlagen von Januar bis September rund 237,5 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und weiteren regenerativen Quellen. Das entspricht einem Plus von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Getragen wurde dieser Zuwachs vor allem von der Windkraft: An Land stieg die Erzeugung um 9,1 Prozent, auf See sogar um fast 20 Prozent. Auch die Photovoltaik legte mit 13,9 Prozent kräftig zu. Neben dem fortlaufenden Ausbau half ein günstigeres Winddargebot.
Nicht alle regenerativen Quellen profitierten gleichermaßen. Die Wasserkraft litt unter den geringen Niederschlägen und verzeichnete einen Rückgang von 14,3 Prozent, bei der Biomasse fiel das Minus mit 2,1 Prozent moderater aus. Dass diese Einbußen den Gesamttrend nicht bremsten, lag am starken Plus bei Wind und Solar, das die Verluste mehr als ausglich.
Auch der Zubau neuer Anlagen hielt sein hohes Tempo. Allein bei der Photovoltaik wurden bislang 11,8 Gigawatt neu installiert und damit mehr als die elf Gigawatt im Vorjahreszeitraum. Die Windkraft an Land kam auf 3,5 Gigawatt an Inbetriebnahmen, nach 3,1 Gigawatt zuvor. Am deutlichsten fiel der Sprung bei der Windenergie auf See aus: Während im gesamten Jahr 2025 nur 0,5 Gigawatt dazukamen, waren es 2026 bereits 1,3 Gigawatt.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, führt die Entwicklung auf ein funktionierendes Zusammenspiel zurück. „Diese positiven Zahlen sind das Ergebnis eines guten Zusammenspiels der Energiewirtschaft: zum einen der starke Zubau von Erneuerbaren Anlagen, zum anderen die verlässliche Einbindung der Anlagen in unser Energiesystem durch die Netzbetreiber“, sagte sie. Damit der Anteil weiter wachse, müsse die Bundesregierung rasch eine Einigung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz finden und das angekündigte Beschleunigungspaket für den Ausbau der Verteilnetze auf den Weg bringen. Zentral sei zudem das Netzanschlusspaket, das derzeit im Parlament verhandelt wird – schließlich hängen 99,96 Prozent der Anlagen am Verteilnetz und konkurrieren dort zunehmend mit Industrie, Gewerbe, Speichern und Wärmepumpen um den Anschluss.
Den Blick nach vorn richtet auch Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. Der vergangene Sommer habe eine neue Herausforderung sichtbar gemacht. „Durch mehr Hitzetage und Tropennächte wird der Strombedarf für Klimatisierung weiter spürbar steigen“, betonte er. Die Verkaufszahlen mobiler Klimageräte hätten sich in diesem Sommer verdoppelt, was das Netz und das Lastmanagement zusätzlich fordere. Gerade die dezentrale Photovoltaik könne hier gegensteuern – unterstützt durch Batteriespeicher bis in die Abend- und Nachtstunden. In Verbindung mit saisonalen Speichern wie grünem Wasserstoff sichere der Ausbau damit nicht nur eine stabile Versorgung aus heimischen Quellen, sondern diene zugleich dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel.
Misst man den Anteil nicht am Verbrauch, sondern an der gesamten deutschen Bruttostromerzeugung, liegt die Erneuerbaren-Quote bei 60,4 Prozent. Die Bruttostromerzeugung selbst erreichte in den ersten drei Quartalen 393,6 Milliarden Kilowattstunden, ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.




















