Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk befragte 1.461 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 Jahren eines repräsentativen Panels, welche Nachrichtenmeldungen für sie besonders wichtig sind. Die Befragten bewerteten 19 (teils echte, teils frei erfundene) Meldungen und beschrieben, warum sie gerade diese für relevant oder nicht relevant für Nachrichtensendungen für ihre Altersgruppe hielten. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise für Qualitätsjournalismus für Kinder und Jugendliche.

Einen hohen Nachrichtenwert sowohl für Kinder als auch Erwachsene haben Meldungen, in denen Kinder zu Schaden gekommen sind oder diese einen besonderen Erfolg verbuchen konnten. Dies sind zum Beispiel Meldungen über eine Überschwemmung in Italien, bei der Kinder verletzt wurden, oder über Flüchtlingskinder, die aus einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet wurden. Überraschend war, dass nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und junge Erwachsene der Meldung „Kinder haben es geschafft, dass ihre Schulklos renoviert werden“ eine hohe Relevanz beimessen. Vermutlich gehören dringend renovierungsbedürftige Schultoiletten zur kollektiven Erfahrung. Dass Kinder es geschafft haben, diesen Zustand zu ändern, ist ein überraschender Erfolg, über den viele mehr erfahren möchten. Qualitätsjournalismus für Kinder und Jugendliche erkennt die Themen, die für die Zielgruppe von hohem Interesse sind.

Was alle interessiert: Meldungen, in denen Kinder und Jugendliche im Zentrum stehen

Kinder schreiben Meldungen einen hohen Wert zu, bei denen sie für sich eine Chance oder Verbesserung ihrer Lebenswelt sehen. Die (erfundene) Meldung, dass ein Abenteuerspielplatz im eigenen Wohnort gebaut wird, ist für fast alle Grundschulkinder berichtenswert, deutlich mehr als für Jugendliche und junge Erwachsene. Qualitätsjournalismus für Kinder und Jugendliche erkennt die Bedeutung, die Ereignisse haben können, und bietet hierzu mehr Informationen an.

Mit steigendem Alter der Befragten steigt bei den meisten Meldungen die Einschätzung des Nachrichtenwertes. Die (erfundene) Meldung „Die Proteste in Belarus drohen zum Krieg auszuarten. Russland und die EU verstärken ihre Armeen und Waffen“ beispielsweise hat für nur jedes fünfte Kind (22 %), aber den größten Teil der Jugendlichen einen Nachrichtenwert. Als Begründung formuliert beispielsweise eine Achtjährige: „Interessiert mich nicht, kenne die Länder nicht“; ein Zehnjähriger erzählt: „Ich wohne zum Glück nicht da.“ Zum Teil sind es auch bestimmte Worte, die ältere Kinder abschrecken. Ein Elfjähriger erklärt zum Beispiel: „Weil das Wort Krieg dabei ist, davor habe ich Angst.“ Qualitätsjournalismus, der Grundschulkinder erreichen will, muss den Nutzer*innen Anknüpfungspunkte an ihre Lebenswelt bieten, Grundlagen erklären und Wege finden, interessierte Kinder so zu informieren, dass sie emotional nicht überfordert werden. Ein Nachrichtenformat für Kinder zeigt zudem Wege auf, wie Kinder sich in ihrem Wirkungsbereich engagieren und zu einem prosozialen Teil ihrer Lebenswelt werden können.

Insgesamt zeigt die Studie: Kinder haben eine spezifische Sicht auf die Welt, die durch ihre soziale Position, ihr Wissen und ihre entwicklungspsychologisch bedingte Wahrnehmung geprägt ist. Qualitätsorientierte Berichterstattung für Kinder und Preteens stellt deshalb andere Fragen als der Nachrichtenjournalismus für Erwachsene, ist sich des Wissens und Interesses der Zielgruppe bewusst, knüpft an die Lebenswelt von Kindern an und bietet notwendige Zusatzinformationen sowie gut nachvollziehbare Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Dies alles geschieht mit viel Sensibilität für eine mögliche emotionale Überforderung und eine prosoziale Haltung, die Kinder und Preteens immer als das wahrnimmt, was sie sind: ein Teil unserer Gesellschaft. „Kinder verdienen Qualitätsjournalismus, der über Meldungen mit Nachrichtenwert für die Zielgruppe berichtet“, sagt Studienleiterin Dr. Maya Götz.

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