Bild: Stephan Bonaventura

Kein Kundenstrom. Kaum Unterstützung. Der Einzelhandel ist stillgelegt und kann nur dabei zusehen wie die Großen ihre Gewinne weiter steigern. Aber man kämpft weiter – auch in Homburg.

Den Einzelhandel hat es wie auch die Gastronomie hart getroffen. Nach wie vor sind die Läden geschlossen. Für die Geschäftsleute waren es harte Monate mit unbeschreibbaren Umsatzrückgängen und einer bei weitem nicht ausreichenden Unterstützung durch die Politik. Manuela Brengel, selbst Inhaberin einer Modeboutique in der Homburger Altstadt, bringt es auf den Punkt: „Wir bekommen nicht wie im ersten Lockdown einen bestimmten Betrag als Selbstständige, das macht es sehr schwierig. Die Hilfe, wenn sie ankommt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich kenne so einige, die mit dem Rücken zur Wand stehen und ganz klar sagen, dass sie es so nicht schaffen werden.“

Manuela Brengel von „Manuelas Modelounge“ – Bild: Stephan Bonaventura

Alles begann mit dem ersten Lockdown, es folgte der Verzicht aufs Ostergeschäft, das Weihnachtsgeschäft litt unter unter der Schließung der Gastronomie, danach der nächste Lockdown und das kommende Ostergeschäft wird eventuell auch wieder nicht wie geplant stattfinden können. „Wir sitzen auf unserer Winterware, haben keinen Platz für Frühjahrsware und wissen schon gar nicht wie wir diese überhaupt bezahlen sollen wenn keine Gelder fließen“, mahnt Brengel an. Die Ware kommt nunmal nicht von selbst in die Läden und wie kann man in diesen Zeiten dauerhaft vofinanzieren wenn man keine Sicherheit hat, ob man sein Geschäft überhaupt öffnen darf? Diese Fragen stellen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer zur Zeit.

Es ist wenig los in der Stadt. – Bild: Stephan Bonaventura

Wer nicht betroffen ist, könnte glatt meinen, dass durch die vielen Meldungen über Kredite, Zuschüsse und finanzielle Hilfen, es doch gar nicht so schwer sein dürfte über die Runden zu kommen – weit gefehlt, wie Manuela Brengel uns berichtet: „Der Einzelhandel hat für November und Dezember nichts bekommen weil wir im Gegensatz zur Gastronomie andere Bedingungen hatten. Wir hatten ja davor im letzten Jahr 3 Monate normal auf und wir hätten dort mindestens 40% Umsatzrückgang haben müssen, um mindestens 40% der Fixkosten (Ladenmiete + Nebenkosten) zu erhalten. Das seien laut Brengel viel zu große Hürden für die Händler und zusätzlich laufen kontinuierliche Kosten wie Kranken und Rentenversicherung weiter. „Wovon sollen wir leben?“, fragt sie.

Die neue Überbrückungshilfe 3 ist seit letzter Woche beantragbar. Mit ihr werden betriebliche Fixkosten bezuschusst. Erstattet werden:

-bis zu 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei mehr als 70 Prozent Umsatzeinbruch
-bis zu 60 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei 50 Prozent bis 70 Prozent Umsatzeinbruch
-bis zu 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei mindestens 30 Prozent Umsatzeinbruch
(Umsatzeinbruch jeweils im Vergleich zum Vergleichsmonat des Jahres 2019). Junge Unternehmen können andere Umsatzzahlen heranziehen (Infos dazu hier).

Doch auch wenn diese Gelder unterstützend ankommen sollten, wird dies noch eine Zeit in Anspruch nehmen. Und gerade Zeit kostet die Selbstständigen aktuell viel Geld. Geld, das bei vielen seit Monaten aus Privatvermögen in die Firmen investiert wird um irgendwie die auflaufenden Rechnungen zu bezahlen. Sind keine Gelder mehr vorhanden und die Rücklagen erschöpft, bleibt für Unternehmer*innen noch der Gang zur Bank. Ohne Sicherheiten ist das gerade in diesen Zeiten ohne Garantien kein leichtes Unterfangen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die großen Discounter im Gegensatz zum ersten Lockdown alles verkaufen dürfen weil sie ein Mischsortiment anbieten. „Beispielsweise der Globus hat im Bereich Schuhe, Elektro oder auch Kleidung aufgerüstet. Da werden richtige Familienausflüge hin gemacht“, ärgert sich Manuela Brengel. Schon utopisch wenn man bedenkt, dass Läden trotz ausgereifter Hygienekonzepte und der bewährten Personenbegrenzungen geschlossen bleiben müssen. Brengel weiter: „Das ist eine Schweinerei. Wir sind alle nervlich am Limit.“

Im Januar hatte sich Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) mit Vertretern großer SB-Warenhäuser an einen Tisch gesetzt. Es ging darum ein Zeichen setzen zu wollen und auf Werbeaktionen zu verzichten, die nicht zum normalen Angebot gehören. Die Warehäuser hielten sich jedoch nicht an die Abmachungen sondern intensivierten diese sogar. Das Resultat: Seit Dienstag dieser Woche gilt im Saarland ein Werbeverbot für Produkte, die nicht zum täglichen Bedarf oder zur Grundversorgung gehören. Doch was nutzt ein Werbeverbot wenn der Verkauf weiter erlaubt ist? „Im Grunde interessiert die Politik nicht was unten an der Basis bei den Einzelhändlern los ist. Die Großen werden stark gemacht und wir werden an die Wand gefahren“, resümiert Manuela Brengel, die neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsinhaberin auch in dem Verein Homburger Altstadt seit Jahren aktiv ist.

Seit Monaten müssen die Händler an allen Fronten kämpfen. Die Unterstützung der Bevölkerung, ihrer Stammkunden und Freunde ist dabei essenziell für den Hauch einer Überlebenschance. Was viele Bürgerinnen und Bürger nicht wissen: Auch im Lockdown sind die meisten Einzelhändler im Laden erreichbar und bieten unterschiedliche Serviceleistungenen. Manche führen per Live-Video ihre Kunden durch den Laden, stellen auf Wunsch Pakete zusammen, beraten, führen Reparaturen durch und liefern kontaktlos bis vor die Haustür. Auch Gutscheine sind nach wie vor zu haben und werden gerne gekauft. „Wir alle sind bestrebt unseren Kunden das Bestmögliche zu bieten und sind dankbar für jede Unterstützung“, sagt Manuela Brengel.

Vom Grundgedanken appellieren die Händler an jede und jeden, erst zu überlegen ob man ein gewünschtes Produkt nicht vielleicht doch in der Stadt bekommt, bevor online bei Versandriesen bestellt wird. Die Resonanz auf die angebotenen, aktuell möglichen Dienstleistungen ist zwar okay bis gut, hier sei aber noch viel Luft nach oben. Der beste Weg: Einfach kurz den gewünschten Händler kontaktieren, so kann man schnell in Erfahrungen bringen welche Möglichkeiten bestehen.

Der Homburger Einzelhandel braucht die Unterstützung der Bevölkerung. – Bild: Stephan Bonaventura

Ein Blick in Zukunft macht die Lage vielleicht nicht ganz aussichtlos. Bei den letzten Bund-Länder-Gesprächen Mitte Februar wurde in den Raum gestellt, dass bei einem stabilen 7-Tage-Inzidenzwert von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ein weiterer Öffnungsschritt folgen soll. Dieser wäre die Öffnung des Einzelhandels mit einer Begrenzung von einer Kundin oder einem Kunden pro 20 qm. Unklar ist jedoch wie „stabil“ genau definiert wird, gerade mit dem zwar vielerorts lokal sinkenden Inzidenzwert aber auch einer steigenden Anzahl an Mutationen.

So bleibt den fleißigen Inhaberinnen und Inhabern nur weiter auf die Zähne zu beißen, auf die Unterstützung der Bevölkerung zu hoffen und mit der Politik zusammen konstriktiv in die Zukunft zu schauen.

Mehr Infos zu erreichbaren Geschäften in Homburg gibt es hier.

 

 

 

 

 

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