Sonnenschirm, Liegestuhl und der Schriftzug „Nasze Lato“ – „Unser Sommer“: Was nach unbeschwerter Urlaubsstimmung aussieht, ist in Wahrheit eine Zigarettenpackung, die der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) zur aktuellen „Schmuggelzigarette der Woche“ gekürt hat. Bei der polnischen Sonderedition der Marke L&M Blue Label handelt es sich diesmal jedoch nicht um ein gefälschtes Produkt, sondern um eine echte Originalpackung, die eigens für den polnischen Markt bestimmt war.
Gerade diese Feriengestaltung macht den Fall so bezeichnend. Denn das Motiv erinnert an ein Phänomen, das besonders in der Urlaubszeit auflebt: der Griff zur günstigeren Schachtel jenseits der Grenze. Die Preisunterschiede zwischen den europäischen Tabakmärkten sind erheblich, und so gelangen regelmäßig im Ausland versteuerte Zigaretten nach Deutschland. Polen zählt dabei seit Jahren zu den wichtigsten Herkunftsländern.
Dass ausgerechnet L&M im Fokus steht, kommt nicht von ungefähr. Die Marke gehört zu den beliebtesten Zigaretten hierzulande und rangiert hinter Marlboro unter den bekanntesten internationalen Erzeugnissen. Laut der Ipsos-Entsorgungsstudie gehört sie zu den fünf wichtigsten aus Polen stammenden Marken, die in Deutschland aufgetaucht sind. Bekanntheit und Nachfrage machen sie sowohl für grenzüberschreitende Einkäufe als auch für den organisierten Schmuggel attraktiv.
Wer die Echtheit einer solchen Packung prüfen möchte, hat es leicht. Neben den vorgeschriebenen Warnhinweisen trägt sie eine polnische Steuerbanderole mit individueller Nummerierung sowie einen scanbaren Code, der sich über ein polnisches Online-Portal kontrollieren lässt. Hinzu kommt der EU-weit verpflichtende Track-&-Trace-Code. Beide Systeme sollen den Weg von Tabakwaren nachvollziehbar machen und den illegalen Handel eindämmen.
Originalware zu erkennen bedeutet allerdings nicht, dass alles erlaubt ist. Wer solche Zigaretten über die Grenze bringt, muss die Vorschriften zu Eigenbedarf und Richtmengen beachten. Als Eigenbedarf gelten Tabakwaren nur, wenn sie ausschließlich für den persönlichen Verbrauch der reisenden Person bestimmt sind. Selbst die kostenlose Weitergabe an Freunde oder Verwandte fällt nicht mehr darunter.
Für BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke ist der Fall auch ein politisches Signal. „Eine kluge Tabaksteuerpolitik muss die Realität an den Grenzen berücksichtigen. Die aktuell diskutierten massiven Steuererhöhungen würden den Preisabstand zu wichtigen Einkaufsmärkten wie Polen weiter vergrößern. Damit steigt der Anreiz, Zigaretten im Ausland zu kaufen. Weniger Verkäufe im Inland bedeuten zugleich geringere Steuereinnahmen und schaffen zusätzliche Anreize für den illegalen Handel mit Tabakwaren“, warnt er.
Mit der Serie „Schmuggelzigarette der Woche“ will der Verband die verschiedenen Gesichter des illegalen Tabakhandels sichtbar machen. Die Dimension ist beachtlich: Nach aktuellen Schätzungen wird bereits jede fünfte in Deutschland gerauchte Packung nicht hierzulande versteuert.



















