Rund 600.000 Ortsnetzstationen halten den Stromfluss in Deutschland am Laufen – und genau an diesen unscheinbaren Trafostationen setzen zwei mächtige Branchenverbände nun an, um den Netzausbau zu beschleunigen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) haben eine gemeinsame Branchenempfehlung zur Harmonisierung dieser Stationen vorgelegt. Ihr Ziel: einheitlichere Technik, kürzere Lieferzeiten und geringere Kosten.
Hinter dem Vorstoß steht eine klare Rechnung. Bis 2045 muss der Ausbau der Verteilnetze deutlich an Tempo gewinnen. Eine 2024 gemeinsam mit der Bergischen Universität Wuppertal veröffentlichte Studie zur Quantifizierung der Technologiebedarfe zeigte, wie groß die Aufgabe ist: Allein rund 500.000 zusätzliche oder erneuerte Ortsnetztransformatoren werden demnach benötigt. Ein Volumen, das Netzbetreiber und Industrie nur bewältigen können, wenn sie die Prozesse dahinter verschlanken.
Der Kern der Empfehlung liegt in der Vereinheitlichung. Statt einer Vielzahl individueller Spezifikationen und aufwendiger Abstimmungen entlang der Lieferkette sollen einheitlichere technische Schnittstellen Planung, Beschaffung und Produktion vereinfachen. Ortsnetzstationen sollen künftig möglichst modular, anschlussfertig und bereits vorparametriert bereitstehen. Damit lässt sich die Fertigung besser skalieren – ein entscheidender Faktor angesichts der schieren Menge an benötigten Anlagen.
Einen zweiten Schwerpunkt setzen die Verbände bei der Digitalisierung. Harmonisierte Kommunikationslösungen, einheitliche Datenmodelle und abgestimmte Schnittstellen sollen die Verteilnetze intelligenter machen und ihren Betrieb erleichtern. Erarbeitet wurde der Katalog gemeinsam mit Netzbetreibern und Herstellern, also jenen Akteuren, die die Vorgaben später in der Praxis umsetzen müssen.
Wichtig ist beiden Verbänden dabei die Feststellung, dass die Empfehlung freiwillig bleibt. Sie ersetzt weder technische Regeln noch Normen. Auch dürfe die Harmonisierung weder Sicherheit und Versorgungssicherheit gefährden noch technologische Weiterentwicklungen ausbremsen. Die Umsetzung wollen BDEW und ZVEI im engen Austausch mit Unternehmen, der Politik, der Bundesnetzagentur und dem VDE FNN begleiten.
Über die Technik hinaus richten die Verbände einen deutlichen Appell an die Politik. Sie fordern schnellere und weniger bürokratische Genehmigungsverfahren, damit die geplanten Investitionen nicht in langwierigen Abstimmungsprozessen versanden. Die aktuelle Veröffentlichung verstehen beide Organisationen ausdrücklich als Auftakt: Unter Einbindung der Fachgremien sollen die Potenziale weiter konkretisiert und die Fortschritte regelmäßig überprüft werden.





















