Symbolbild
Anzeige

Ein aktuelles Forschungsprojekt unter Beteiligung Kölner Sozialpsychologen zeigt, dass eine kurze Erklärung zur wissenschaftlichen Qualitätskontrolle Laien dabei hilft, Forschungsergebnisse und deren Glaubwürdigkeit besser einzuordnen.

Anzeige

Insbesondere seit der Corona-Pandemie werden immer mehr Fachartikel als sogenannte Preprints vorveröffentlicht. Preprints haben dabei nicht das etablierte Qualitätskontrollverfahren eines „Peer-Reviews“ durchlaufen, was in der Öffentlichkeit schon oft zu Verwirrung geführt hat. Auch in den vorliegenden Studien zeigte sich, dass Versuchspersonen ohne weitere Erklärung nicht zwischen Preprint und Peer-Review unterscheiden können und die beiden Formate für gleich glaubwürdig hielten. Sobald Versuchspersonen aber zuvor eine kurze Erklärung zum Unterschied erhielten, wurden Versuchspersonen gegenüber Preprints vorsichtiger. Die Publikation „Caution, Preprint! Brief Explanations Allow Nonscientists to Differentiate Between Preprints and Peer-Reviewed Journal Articles“ ist im Fachjournal Advances in Methods and Practices in Psychological Science erschienen.

Preprints werden – anders als im sogenannten Peer-Review-Verfahren – nicht von Fachkollegen begutachtet. Im Peer-Review prüfen Experten aus den jeweiligen Fachgebieten eine wissenschaftliche Arbeit vor der Veröffentlichung. Die Autoren wiederum müssen die Kritik der Peer-Review-Expertnen einarbeiten oder darlegen, warum diese unzutreffend ist. Dies ist für wissenschaftliche Publikationen eine wesentliche Qualitätskontrolle. Preprints fehlt diese Qualitätskontrolle und viele Forscher befürchten daher, dass Preprints Laien, Journalisten und politische Entscheidungsträger erreichen, die sie möglicherweise nicht von der begutachteten Literatur unterscheiden können.

Anzeige

In fünf Studien in Deutschland und den USA hat die Forschungsgruppe untersucht, ob diese Sorge berechtigt ist und ob dieses Problem durch eine kurze Erklärung zu Preprints und dem Peer-Review-Verfahren gelöst werden kann. Wesentlich beteiligt an den Studien waren Forscher vom Social Cognition Center Cologne (SoCCCo) der Universität zu Köln.

Die ersten beiden Studien zeigen, dass Laien tatsächlich Forschungsergebnisse, die als Preprints veröffentlicht wurden, als ebenso glaubwürdig wahrnehmen wie Ergebnisse, die als begutachtete Artikel veröffentlicht wurden. In den beiden Studien wurden Versuchspersonen eine Reihe von echten Forschungsergebnissen gezeigt. Im Anschluss sollten die Versuchspersonen die Glaubwürdigkeit dieser Forschungsergebisse bewerten. Der Clou: Je nach Bedingung war den Versuchspersonen gesagt worden, dass die Forschungsergebnisse entweder aus Preprints, oder aus Fachartikeln mit Peer-Review-Verfahren stammten. Es zeigte sich allerdings, dass diese Information ohne eine nähere Erklärung keinen Einfluss auf die Glaubwürdigkeitseinschätzung hatte. Dies legt nahe, dass Sorgen über ein fehlendes Verständnis von Preprints berechtigt sein könnten.

In den Folgestudien zeigten die Wissenschaftler daher ihren Versuchspersonen zunächst eine Erklärung von Preprints und dem Peer-Review-Prozess. Versuchspersonen, die diese Erklärung gelesen hatten, waren nun Preprints gegenüber wachsamer und schätzten diese als weniger glaubwürdig ein als etablierte Fachartikel. In Studie 5 haben die Forscher eine verkürzte Version dieser Erklärung entwickelt und getestet. „Bereits diese knappe Erläuterung ermöglichte es Nicht-Wissenschaftlen, zwischen Preprints und der von Experten begutachteten Literatur zu unterscheiden. Zusammenfassend zeigen unsere Untersuchungen, dass auch eine kurze Erklärung des Konzepts der Preprints und des fehlenden Peer-Reviews es Personen, die wissenschaftliche Ergebnisse bewerten, ermöglicht, ihre Glaubwürdigkeitswahrnehmung entsprechend anzupassen“, so Tobias Wingen, Erstautor der aktuellen Veröffentlichung.

Auf der Grundlage dieses Ergebnisses empfehlen die Autoren, Preprints eine entsprechende Erklärung beizufügen. Auch Journalisten, die über Preprints berichten, sollten das Format idealerweise zunächst erklären, da viele Nicht-Wissenschaftler über Medien mit Forschungsergebnissen in Kontakt kommen. Dies würde es ermöglichen, die Vorteile von Preprints zu nutzen – etwa eine schnellere und leichter zugängliche Wissenschaftskommunikation – und gleichzeitig die Bedenken hinsichtlich eines zu großen Vertrauens der Öffentlichkeit in die präsentierten Ergebnisse zu verringern.

Anzeige
Anzeige
Vorheriger ArtikelUkraine-Krieg belastet viele Unternehmen finanziell – dennoch stößt Sanktionspolitik auf breiten Zuspruch
Nächster ArtikelDiesel im Vergleich zur Vorwoche 14 Cent teurer

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.