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„Außer ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung gibt es eine dritte Voraussetzung für ein gesundes Altern: die sogenannte Gesundheitskompetenz“, erklärt Bertold Bahner, Landesvorsitzender der Liberalen Senioren Initiative Saar. Gesundheitskompetenz (engl. Health Literacy) bestehe erstens aus dem Wissen darüber, wie man Krankheiten bewältige. Zweitens aus dem Wissen darüber, was man zur Prävention tun muss. Drittens aus Kenntnissen über Gesundheitsförderung allgemein.

Das sei neuester Forschungsstand, sagt Prof. Dr. Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld. An dieser Kompetenz aber fehle es vielfach, wie auch in weiteren Vorträgen auf der Fachtagung „Engagement für die Gesundheit älterer Menschen stärken“ der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen Deutschlands) in Dortmund deutlich wurde.  Mangelnde Gesundheitskompetenz sei ein großes gesamtgesellschaftliches Problem. 54,3% der deutschen Bevölkerung sei nur eingeschränkt gesundheitskompetent. Bei den über 65 Jährigen seien es 66,3%.   Dramatisch sei es im hohen Alter, die über 75 Jährigen seien besonders betroffen.

Bei der Beurteilung der Gesundheitskompetenz müsse man vier Stufen der Informationsverarbeitung durch den Patienten unterscheiden: das Suchen, das Verstehen, das Beurteilen und das Anwenden von Informationen. Problematisch sei nicht nur die mangelhafte Unterrichtung über Gesundheit durch Elternhaus und Schule, sondern auch dass das ärztliche Patientengespräch (Zeitaufwand) nicht ausreichend von den Krankenkassen honoriert werde. Die Patienteninformationen müssten wesentlich verbessert werden, auch was Lesbarkeit und Verständlichkeit von Packungsbeilagen von Medikamenten betrifft. Gleiches gelte für die Angaben auf Lebensmittelpackungen. Besonders deutlich werde dies, wenn körperliche Beschwerden durch psychische Problemlagen verstärkt werden. Dann mündeten sich ständig verschlechternde Essgewohnheiten und niedrige Bewegungshäufigkeit in Depressionen und umgekehrt.

Der Wandel vom passiven zum mündigen Patienten sei eine große Herausforderung. Dieser große politische Handlungsbedarf müsse eine dauerhafte Verankerung der Gesundheitskompetenz im Gesellschaftssystem zum Ziel haben, sagt Bahner.

„Wer gesund altern möchte, braucht Wissen und Verständnis für den Alterungsprozess. Das klingt scheinbar selbstverständlich, ist aber jetzt erst wissenschaftlich nachgewiesen und als gesellschaftliches Problem erkannt. Ein Fortschritt, der uns ermuntert, uns mehr und besser zu informieren, wie wir mit Körper und Geist im Alter umgehen.“

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