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Ärzte und Patienten werden offenbar umsichtiger, was das Thema Antibiotika betrifft. Eine aktuelle Verordnungsbilanz der IKK Südwest, die einen enormen Rückgang bei Erwachsenen und Kindern zeigt, legt diesen Schluss nahe. Demnach sind die Antibiotika-Verordnungen bei Erwachsenen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland innerhalb der vergangenen sechs Jahre um 13,5 % gesunken (2010: 452.296 // 2016: 391.156). Dabei verzeichnet die IKK Südwest den stärksten Rückgang im Saarland (- 18,3 %), gefolgt von Hessen (- 15,4 %) und Rheinland-Pfalz (- 14,6 %). Entsprechend schlanker zeigen sich auch die Kosten, die sich zwischen 2010 und 2016 um 1,8 % reduziert haben.

Der durchschnittliche Antibiotika-Konsument ist 37 Jahre alt. Die Anzahl der Verordnungen ist bei Frauen und Männern etwa gleich hoch. Bei Kindern scheinen Ärzte und Eltern inzwischen besonders genau hinzusehen: Die Verordnungen haben sich im Wirkungsgebiet der IKK Südwest um 36 % reduziert (2010: 21.133 Verordnungen // 2016: 13.479 Verordnungen). Die Kosten sanken dabei um 38 %. Bei den Kindern waren es meist 12-jährige Jungen, denen ein Antibiotikum verordnet wurde.

Seit der schottische Mediziner und Bakteriologe Alexander Fleming 1928 das Penicillin entdeckte, werden antimikrobielle Medikamente als Heilmittel gegen Infektionen verabreicht. Krankheiten, die früher auch tödlich endeten, können seitdem gut behandelt werden. Inzwischen droht aber ein Wirksamkeitsverlust, da viele Bakterien Resistenzen gebildet haben. „Deshalb ist es erfreulich, dass Ärzte und auch die Gesellschaft insgesamt verantwortungsbewusster mit diesem Thema umgehen”, sagt Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest, mit Blick auf den positiven Trend: „Unsere IKK-Statistik zeigt, dass die Menschen heute aufgeklärter sind, was Medikamente und Krankheiten angeht. Sie wägen ab, wann der Einsatz von Antibiotika wirklich sinnvoll ist und wann vielleicht auch etwas niedriger Dosiertes reicht.”

Gleichzeitig scheint für viele IKK-Versicherte die Homöopathie eine Alternative zu sein: Die IKK Südwest stellt aktuell eine hohe Nachfrage zur alternativen Medizin fest: 2016 waren es rund 4.000 Fälle monatlich, bei denen Versicherte das IKK-Angebot, bestimmte Behandlungen in diesem Bereich anteilig zu übernehmen, in Anspruch genommen haben. Dabei zeichnet sich ab, dass hier insbesondere Osteopathie zum Einsatz kommt (62% der Fälle).

Ein Antibiotikum (griech. anti = gegen / bios = Leben / biotikos = zum Leben gehörend) ist ein natürlich gebildetes, niedermolekulares Stoffwechselprodukt von Pilzen oder Bakterien, das schon in geringer Konzentration das Wachstum anderer Mikroorganismen hemmt oder diese abtötet. Als Antibiotikum gilt heute auch eine antimikrobiell eingesetzte Substanz, die in der Natur nicht vorkommt und teilsynthetisch, vollsynthetisch oder gentechnisch gewonnen wird.

Unter Antibiotika-Resistenz versteht man die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegen Antibiotika. Durch die Vermehrung von Bakterien-Individuen, die durch Antibiotika nicht abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt werden, entstehen resistente Bakterienstämme, deren Behandlung mit einem bestimmten oder gar mehreren Antibiotika unwirksam ist. 2005 infizierten sich bereits rund drei Millionen Europäer mit Keimen, gegen die herkömmliche Antibiotika einfach nicht mehr helfen – 50.000 von ihnen starben daran (vgl. Technology Review 04/07). Infektionen sind nach Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch die dritthäufigste Todesursache in den Industrieländern (vgl. Heise Online). Besonders gefährlich sind die Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Bakterien (MRSA). Im durch HIV geschwächten Afrika breitet sich derzeit zudem ein als XDR („extensive drug resistant”) bezeichneter Tuberkulose-Erreger rasant aus. Der Erreger entzieht sich also dem Zugriff durch die moderne Pharmazie nahezu vollständig. Auch in Europa tritt XDR immer häufiger auf. In Krankenhäusern sind schon Keime aufgetaucht, die gegen alle bekannten Antibiotika immun waren – „total drug resistant” (TDR).

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