TEILEN

Jeder zweite Pflegebedürftige (48,6 Prozent) im Saarland lässt sich ausschließlich von Angehörigen versorgen. Das zeigt der Pflegereport der BARMER, den die Universität Bremen erstellt hat. „Bei den Saarländern hat die häusliche Pflege durch Angehörige einen hohen Stellenwert“, erklärt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Nach den Worten der Landesgeschäftsführerin erscheine offenbar vielen Saarländern die Pflege in Heimen oder durch ambulante Pflegedienste weniger attraktiv. Im Saarland lässt sich laut Report nur jeder fünfte Pflegebedürftige (21,2 Prozent) ambulant pflegen. Einzig in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist der Anteil der Menschen, die sich ambulant pflegen lassen, an allen Pflegebedürftigen geringer. Rund drei von zehn pflegebedürftigen Saarländern (30,2 Prozent) erhalten stationäre Pflege. Das ergibt Platz acht in der Rangliste aller 16 Bundesländer.

Die Einschätzungen der BARMER Landesgeschäftsführerin spiegeln sich in den Pflegeangeboten im Land wider. Mit 36,6 Heimplätzen pro 100 Pflegebedürftige liegt das Saarland bei der stationären Versorgung beim Ländervergleich mit Platz acht im Mittelfeld. Hingegen sind in keinem anderen Bundesland die personellen Kapazitäten der ambulanten Pflegedienste geringer als im Saarland. Laut Report kommen in dem Bundesland auf 100 Pflegebedürftige 5,5 Pflegekräfte. Damit liegt das Saarland im Ländervergleich deutlich hinter Spitzenreiter Berlin (14,3 Pflegekräfte) und klar unter dem Bundesdurchschnitt (7,9 Pflegekräfte).

„Beeinflusst wird die Form der Pflege zudem von der Einkommenshöhe der Pflegebedürftigen und davon, wie gut familiäre Netzwerke Pflege zuhause bewältigen können oder überhaupt wollen“, erläutert die Landesgeschäftsführerin. Bei geringem Einkommen würden die privaten Zuzahlungen die Wahrscheinlichkeit mindern, dass ein Pflegebedürftiger im Heim gepflegt wird.

Die Autoren des Pflegereports prognostizieren für das Saarland, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigen wird. Gab es 2015 noch 35.000 Pflegebedürftige in dem Bundesland, werden es 2060 schon 47.000 sein. Das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent. Frauen sind dabei aktuell wie auch künftig öfter auf Pflege angewiesen als Männer. Die Zahl der pflegebedürftigen Frauen im Saarland steigt laut Report bis 2060 von 23.000 auf 30.000, die der pflegebedürftigen Männer von 12.000 auf 17.000.

Aufgrund des sinkenden Potenzials an Erwerbspersonen schätzen die Reportautoren die personelle Lücke zur Versorgung von Pflegebedürftigen im Saarland allein bis zum Jahr 2030 auf 4.000 Vollzeitarbeitskräfte ein. Laut Statischem Bundesamt (Stand 2013) arbeiten bei ambulanten Pflegediensten 3.355 Pflegekräfte im Saarland, rund ein Viertel davon (23,9 Prozent) arbeitet in Vollzeit. Alle übrigen gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach. Beim Personal der stationären Pflegeeinrichtungen zählen die Statistiker 9.479 Pflegekräfte. Von ihnen arbeiten 39,7 Prozent in Vollzeit, alle übrigen in Teilzeit.

„Die Pflegekassen sind vor allem als Impulsgeber für gute Ideen gefordert“, betont Kleis. So biete die BARMER bislang als einzige Kasse individuelle Beratung durch Familiengesundheitspfleger. Kurse für pflegende Angehörige seien besonders sinnvoll, da dabei nicht nur wichtiges Wissen vermittelt, sondern auch ein Austausch der Betroffenen untereinander ermöglicht werde.

„Eine effiziente Pflegeunterstützung sollte aber nicht nur von der Mitgliedschaft in einer bestimmten Krankenkasse abhängig sein. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Betroffenen in schwierigen Lebenssituationen uneingeschränkt die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, sagt Kleis. Die BARMER berät pflegende Angehörige persönlich, aber auch online unter www.pflegen-und-leben.de.

KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here