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Am kommenden Wochenende veranstaltet die Ballett-Abteilung der Homburger Narrenzunft am Samstag und Sonntag ihre große Ballettgala (wir berichteten). Der Grund ist sehr erfreulich: In diesem Jahr darf das 5-jährige Jubiläum gefeiert werden. Wir haben uns aus diesem Anlass mit Michaela Masseli, der Abteilungsleiterin, unterhalten. Warum Ballett in jedem Alter erlernt werden kann und weshalb Frau Masseli beim Gedanken an „Schwanensee“ Gänsehaut bekommt, könnt ihr im Interview nachlesen.

HOMBURG1: Hallo Frau Masseli, die Ballettabteilung der Homburger Narrenzunft e.V. feiert dieses Jahr ihr 5-jähriges Jubiläum. Dazu gratulieren wir natürlich recht herzlich. Gefeiert wird mit einer großen Ballettgala. Was dürfen die Gäste denn an den beiden Nachmittagen erwarten?
Michaela Masseli, Abteilungsleiterin der Sparte „Ballett“ bei der Homburger Narrenzunft
Michaela Masseli: Das Programm unserer Ballettgala ist unterteilt in zwei Akte. Im ersten Akt erwarten unsere Zuschauer neben einer kleinen Unterrichtsdemonstration der verschiedenen Ballettgruppen ein Rückblick bestehend aus einigen tänzerischen „Highlights“ der letzten fünf Jahre. Unsere Aufführungen „Alice im Wunderland“ aus 2012 und „Der Zauberer von Oz“ aus 2014 bieten dabei einen großen Fundus an Tänzen, die nochmals aufgefrischt wurden. Nach einer kleinen Pause von 25 Minuten, in der auch für das leibliche Wohl unserer Gäste gesorgt sein wird, folgt der zweite Akt mit neuen Tänzen und Ideen. Sogar eine Schülerin aus der Musikschule in Homburg konnten wir mit ihrem Cello für die Gala gewinnen. Dass wir kurz vor Weihnachten stehen, wird auch an so mancher Bühnendekoration und Kostümauswahl bemerkbar sein und das Christkind haben wir für Sonntag auch eingeladen…ob es wohl kommt? Aber mehr wird jetzt nicht verraten…Vorbeischauen lohnt sich auf jeden Fall!
HOMBURG1: Woher stammt die Idee einer Ballettabteilung und wie war die Resonanz innerhalb des Vereins bzw. der Tänzerinnen und Tänzer bei der Gründung?
Michaela Masseli: Die Ballettabteilung existiert seit fünf Jahren unter dem Dach des Karnevalsvereins Homburger Narrenzunft e.V. mit unserem ersten Zunftmeister und OB Rüdiger Schneidewind an der Spitze. Die tänzerische Leitung obliegt unserer geschätzten Rebecca Heib. Sie ist zertifizierte Tanzpädagogin der Royal Academy of Dance® und gestaltet ihren Unterricht unter anderem nach den Lehrplänen dieser Organisation. In Sachen Foto und Medien ist Hannah Neumann die Expertin der Abteilung und für alles Organisatorische bin ich als Abteilungsleitung zuständig.
Rebecca Heib ist zertifizierte Tanzpädagogin und verantwortlich für die künstlerische Gestaltung
Vor fünf Jahren machten sich engagierte Menschen wie Gisela und Claus Simon, Rebecca Heib und die damalige Abteilungsleitung Susanne Bächle – damals noch Molitor – auf die Suche nach einer neuen Räumlichkeit für die Ballettabteilung. Nach Gesprächen mit Rüdiger Schneidewind war schnell eine Bleibe für die Abteilung gefunden und innerhalb von ein paar Monaten wurde im Zunfthaus in Beeden Platz gemacht für uns. Dank vieler Helfer aus dem Verein wurde ein neuer Ballettsaal geschaffen und da trainieren wir nun…von den ganz kleinen bis zu den großen Tänzerinnen…eine Altersgrenze gibt es nicht!
Die Resonanz war von Anfang an groß, da Rebecca sich bereits durch ihre Tätigkeit als Tanzpädagogin in einem anderen Verein beweisen konnte. Schon im Jahr 2012 konnten wir unser 100. Mitglied begrüßen und die Abteilung ist stetig gewachsen. Alle, die Spaß am Tanzen haben, sind bei uns herzlich willkommen!
HOMBURG1: Ballett ist zugleich Kunst, aber auch Sport! Wo liegen die körperlichen und geistigen Herausforderungen für die Tänzerinnen und Tänzer? Gibt es spezielle Trainingsphilosophien?
Michaela Masseli: Neben dem körperlichen Effekt von Kondition, Beweglichkeit, Koordination und einer guten Körperhaltung, erlernen schon die ganz Kleinen bei Rebecca wie man sich auf etwas konzentrieren muss. Pas de bourée, Changement, Pas de Chat, …und das alles ohne Pause im Takt der Musik hintereinander und nochmal…das ist gar nicht so einfach – glauben Sie mir, ich weiß, von was ich rede! ☺Und wenn es nach langem Üben dann endlich klappt und schön aussieht dann ist man stolz…Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein werden zusätzlich gefördert.
Da die Kinder heutzutage in der Schule unglaublich viel leisten müssen, möchte Rebecca trotz der bekannten Disziplin und Strenge im klassischen Ballett aber auch erreichen, dass die Kinder im Unterricht eine kurze Auszeit nehmen können und Spaß an Bewegung haben. Ein Hobby soll Spaß machen und den Druck nicht noch erhöhen. Die meisten Kinder betreiben dieses Hobby nicht mit dem Hintergrund einer beruflichen Tänzerkarriere. Sie haben einfach Spaß am Tanzen und möchten dies mit ihren Freunden zusammen ausleben. Strenge und Spaß sollen in unserer Ballettabteilung im Gleichgewicht sein. Sollte aber jemand Interesse an einer beruflichen Zukunft als Tänzerin oder Lehrerin haben, wird dies selbstverständlich gefördert und freut jeden Ballettlehrer!
HOMBURG1: Wie oft treffen sich die Jugendlichen zum Training? Wird altersübergreifend trainiert oder gibt es spezielle Trainingsgruppen? Was ist hier ihre Aufgabe als Abteilungsleiterin?
Michaela Masseli: Grundsätzlich trainieren die großen und kleinen Tänzerinnen einmal pro Woche. Die Stunden sind in Leistungs- und Altersstufen unterteilt. Es gibt die Tänzerische Früherziehung für die ganz kleinen Tanzmäuse ab 3 ½ Jahren, bis hin zu den Erwachsenen. Bei den Erwachsenen gibt es eine Anfänger- und Fortgeschrittenen Gruppe. Eine Altersbegrenzung gibt es hier nicht. Jeder der Lust auf Ballett hat ist herzlich willkommen.
Foto: Hannah Neumann
Wenn die Motivation und das Interesse da sind, kann natürlich auch mehrfach die Woche mit Rebecca trainiert werden. Wie vorhin bereits erwähnt, ist Rebecca zertifizierte Tanzpädagogin der Royal Academy of Dance®, d.h. am Ende eines Lehrplanes kann für jeden Schüler eine Prüfung stehen. Dazu kommt eine eigens aus London gesandte Prüferin, um die Tänzerin zu beurteilen. Diese Prüfungen können den Weg bahnen für eine berufliche Tanzkarriere. Doch das muss nicht sein, im Vordergrund steht natürlich die Freude am Tanzen.
Als Abteilungsleitung habe ich auch hier organisatorische Aufgaben. Der Erstkontakt bei Interesse am Unterricht läuft zunächst über mich. Wenn die Tänzerinnen und Tänzer aber auch Eltern ein Anliegen haben, können Sie sich gerne an mich wenden und wir versuchen eine Lösung zu finden.
Foto: Hannah Neumann
HOMBURG1: Gibt es eine Altersgrenze für Ballett? Im Kopf erscheint zunächst das Bild von Pirouetten und Sprüngen, was in der Vorstellung nur schwerlich mit einem älteren Semester in Einklang zu bekommen ist. Haben Erwachsene dennoch die Möglichkeit, die Techniken zu erlernen oder den Sport auch langfristig zu betreiben?
Michaela Masseli: Wie schon gesagt, beim Ballett gibt es keine Altersgrenze. Sich mit Primaballerinen wie Polina Semionova oder Svetlana Zakharova zu vergleichen ist utopisch. Sie trainieren seit Kindheitstagen und das jeden Tag mehrere Stunden.
Ein Einstieg ins Ballett ist jedoch in jedem Alter möglich. Die einzelnen Schritte und Drehungen werden nach und nach mit Rebecca erlernt, miteinander kombiniert und verfeinert. Und am Schluss entsteht ein kleiner Tanz daraus. Ballett soll Spaß machen, das steht im Mittelpunkt und neben der sauberen Ausführung der Bewegung ist auch ganz viel Gefühl mit dabei. Sich zu größtenteils klassischer Musik bewegen und die Techniken des Balletts zu erlernen, ist also auch im höheren Alter auf jeden Fall noch möglich.
HOMBURG1: Neben dem Training finden auch öffentliche Auftritte statt. Dazu gehören auch Kostüme und ein Bühnenbild. Wieviel Aufwand und wieviel Zeit beansprucht die Vorbereitung, zum Beispiel der Ballettgala? Wieviel Helfer arbeiten im Hintergrund? Wie entsteht eine Choreographie?
Michaela Masseli: Die Ballettgala im Saalbau ist schon ein recht großes Ereignis für unsere Abteilung. An den zwei Veranstaltungstagen tanzen jeweils über 150 kleine und große Tänzerinnen auf der Bühne. Jeder braucht ein Kostüm, Haarschmuck und Schminke. Jeder muss neben seiner eigenen Choreographie, den Ablauf an solch einem Tag kennen. Daher haben wir auch zwei Generalproben angesetzt – jeder muss wissen, wo es langgeht! Und drum herum muss es auch laufen…Gruppenbetreuer, Schminkassistenten, Gastro-Bereich…dazu werden viele helfende Hände aus dem Verein benötigt.
Foto: Hannah Neumann
Das Training zu solch einer großen Aufführung beginnt bereits ein halbes Jahr vorher. Unsere Tanzpädagogin Rebecca ist dabei einzig und allein verantwortlich für die Choreographie. So schnell vergeht die Zeit und bei ein- oder zweimal Training in der Woche, ist eine frühe Vorbereitung notwendig. Die Solisten erhalten in den letzten Wochen vor der Aufführung auch Einzeltraining, um der Ausführung noch „den letzten Schliff“ zu verpassen.
Die Bühnendeko und Requisiten sind je nach Thema sehr aufwändig. Ich erinnere mich noch an unsere selbstgebastelten Flamingos beim Crocketspiel zu unserer Aufführung „Alice im Wunderland“…die waren klasse! Wenn genügend Helfer und kreative Köpfe zur Stelle sind, dann macht es richtig Spaß und die kleinen und großen Kunstwerke sind das i-Tüpfelchen einer solchen Veranstaltung auf der Bühne. Und wenn sich dann noch jemand um die Termine, Plakate, Eintrittskarten, Zeitungsartikel, etc. kümmert, dann wird es am Schluss eine wunderbare Veranstaltung.
HOMBURG1: Stichwort „Nachwuchs“! Wie kommt ihre Abteilung an neue Tänzerinnen und Tänzer? Wie weckt man bei jungen Menschen Begeisterung für Ballett?
Michaela Masseli: Die beste Werbung ist natürlich die Empfehlung durch andere. Trotzdem machen wir immer wieder durch Zeitungsartikel und Aushänge auf uns aufmerksam. Bei Veranstaltungen, die wir tänzerisch mitgestalten können, sind wir auch immer gerne dabei. Ganz spannend war dieses Jahr z.B. die Kooperation mit dem Homburger Sinfonieorchester. Beim Familienkonzert mit dem Titel „Schwanensee“ im Saalbau begleiteten einige Tänzerinnen unserer Abteilung das Orchester mit einer Tanzeinlage. Das war ein tolles Erlebnis! Zu der live gespielten Musik von Tchaikowsky schwebten die Mädchen in ihren weißen Tutus übers Parkett…da kriege ich jetzt noch Gänsehaut! An externen Auftritten und Kooperationen sind wir stets interessiert, wichtig dabei ist allerdings die Vorlaufzeit, damit sich die Tänzerinnen mit Rebecca adäquat vorbereiten können.
Foto: Hannah Neumann
HOMBURG1: Sie sind ja eine Abteilung der Homburger Narrenzunft. Gibt es da Überschneidungen im Bereich des Trainings und der Auftritte?
Michaela Masseli: Das Training HNZ Garde findet getrennt zum Ballettunterricht statt. Die Ballettabteilung verfügt über einen eigenen Ballettsaal im Zunfthaus. Überschneidungen im Bereich des Trainings und der Auftritte gibt es daher weniger. Es kommt aber schon vor, dass ein Ballettkind sein Interesse zum Garde- oder Showtanz entdeckt und wechselt. Andersrum ist es auch schon passiert. Grundsätzlich sind Ballett und Gardetanz unterschiedliche Tanzrichtungen, ergänzen sich meiner Meinung nach aber auch.
Was mich für die Zusammenarbeit von Garde und Ballett aktuell besonders freut: Bedingt durch einen kurzfristigen Krankheitsfall einer Balletttänzerin, besetzt ein Tanzmariechen der HNZ- Dana Braunert-  die Rolle der Grinsekatze an der Ballettgala. An dieser Stelle ein großes Dankeschön für den spontanen Einsatz, liebe Dana!
HOMBURG1: Zum Abschluss wollen wir von unseren Interviewpartnern immer wissen, warum sie gerne in Homburg leben. Wie sieht das bei Ihnen aus? Was macht für sie Homburg und den Saarpfalz-Kreis lebenswert?
Michaela Masseli: Ich bin in Homburg geboren und aufgewachsen. Für mich hat das Saarland und besonders Homburg etwas Heimisches. Hier habe ich alles, was ich brauche…meine Familie, meine Freunde, meinen Arbeitsplatz, mein Hobby und einen schönen Ort zum Leben. Was will man mehr?

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