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Am vergangenen Donnerstag fand auf Einladung der IG Metall Homburg-Saarpfalz erstmals eine Informationsveranstaltung zum Thema „Zukunft des Diesel“ im Homburger Rathaus statt. Neben der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sorgten insbesondere Bosch-Vorstandsmitglied Dr. Uwe Gackstatter und Prof. Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Kolbenmechanik, sowie Frank Iwer vom IG Metall Vorstand mit ihren Sichtweisen für eine fachlich fundierte Betrachtung der Diesel-Diskussion.

Der prall gefüllte Veranstaltungssaal zeigte, dass das Interesse am Umgang mit dem anhaltenden“ Dieselbashing“ und der hierzu stattfindenden Diskussion groß ist. Mit besonderer Spannung verfolgten viele anwesenden Bosch Mitarbeiter die Diskussionsbeiträge. Das Werk in der Bexbacher Straße produziert ausschließlich Dieselprodukte (Injektoren für Dieselfahrzeuge) und ist damit von möglichen Auswirkungen dieser Debatte besonders betroffen.

Der Diesel habe einen Vertrauensverlust erlebt, stellte Kramp-Karrenbauer einleitend fest und spricht von einer „starken Anti-Diesel-Lobby in Deutschland und Europa.“ Die Elektromobilität werde kommen, aber in einem Miteinander von Strom und Verbrennung. Dabei sieht die Ministerpräsidentin in der anhaltenden Diskussion vor allem „Viel Emotionen, wenig Sachkenntnis“.

Nach Ansicht von Bosch-Vorstand Uwe Gackstatter ist die Politik gefordert, Aufklärung und Anreize für Diesel-Fahrzeuge zu liefern. Die Elektromobilität stelle auf absehbare Zeit keine Alternative für Verbrennungsmotoren dar. Um eine effiziente Elektromobilität zu erreichen, müsste der Strom aus regenerativen Quellen stammen, so Gackstatter. Das setze eine ausgereifte Energiepolitik voraus. Je schwerer ein Fahrzeug ist, desto größer sind die Argumente für den Diesel als Antriebstechnik.

Sehr anregend stellte Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmechanik in Karlsruhe, die wissenschaftlichen Aspekte des Diesels vor. Nur vier bis sechs Prozent betrage der Gesamtanteil an den Gesamtemissionen. Dadurch sei „in Deutschland niemand gefährdet“, so Koch. NOx, Feinstaub- und Ozonemissionen haben viele Ursachen, stehen aber nicht immer im Zusammenhang mit Diesel als Verbrennungstechnik. Die Abgasprobleme beim Diesel der neusten Generation seien technisch gelöst. Die Abgase dieser Diesel Generation emittieren weniger Feinstaub, als in der angesaugten Umgebungsluft vorhanden ist, so Koch. „Der Diesel erfährt leider eine rabenschwarze Kommunikation. Das müssen wir ändern!“ lautet sein Appell.

Foto: Christian Rübel

Die Bedeutung der Automobilindustrie für die Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in Europa, betonte Frank Iwer von der IG Metall. Er forderte von der Politik durchaus ambitionierte aber vor allem auch erreichbare Ziele zu definieren und Planungssicherheit für die Unternehmen. Iwer zeigte auch auf, dass die vollständige Umstellung auf Elektromobilität bei PKW eine Verdopplung der heute verfügbaren Stromkapazität und robuste Netze erfordern würde. Diese Infrastruktur ist nicht vorhanden, erfordere Milliardeninvestitionen. Aufgrund des heutigen Energiemix würde trotz Mobilität keine Reduzierung der CO² Bilanz, also der Treibhausgase erreicht.

Sehr zufrieden mit der Qualität und den Botschaften der Referenten sei man bei der zuständigen Homburger IG Metall. Für Gewerkschafter Ralf Cavelius gelang es sehr eindrucksvoll, Vorurteilen gegenüber dem Diesel durch Fakten und Fachkenntnis entgegenzutreten: „Diese Fakten müssen wir jetzt aber auch unter die Menschen bringen, um das Thema „Diesel“ noch einem auf sachlich und fachlich richtige Füße zu stellen.“

Foto: Christian Rübel

„Wenn der Diesel eine Zukunft hat, haben wir dann auch eine?“ so eine Frage aus dem Publikum. „Wir dürfen die Schlüsselindustrie Diesel Systems nicht kaputt machen“ lautete die Formel von Gackstatter. „Dann sollen die Homburger Bosch-Mitarbeiter dabei sein“, so Gackstatter abschließend.

Mehr Informationen zur Kampagne auf bosch-bleibt.de

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