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Anfang Juli wurden die ersten Linksherzunterstützungssysteme bei zwei Patienten mit schwerer Herzschwäche am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg implantiert. Bei beiden Patienten lag ein Endstadium der Herzinsuffizienz vor. Die Prognose: eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Wochen bis Monaten. In den ersten Tagen nach der Implantation der Unterstützungssysteme war erwartungsgemäß eine sehr intensive Betreuung notwendig. Unter hohem Einsatz aller Beteiligten konnte dann bald eine rasche Genesung der beiden Patienten erreicht werden.

Wichtige Grundlage für die interdisziplinäre Betreuung der Patienten war die seit Dezember 2016 zertifizierte Heart Failure Unit (Herzinsuffizienz-Einheit). Die Behandlung der betroffenen Patienten – wie auch aktuell – erfolgt in enger Zusammenarbeit der Klinik für Kardiologie (Leitung Professor Dr. med. Michael Böhm) mit der Klinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie (Leitung Professor Dr. med. Hans-Joachim Schäfers). Die aktuellen Operationen wurden durch  Professor Schäfers und OÄ Petra Ecker durchgeführt. Die Nachbehandlung erfolgte in enger Kooperation durch das kardiologische Team mit OÄ PD Dr. med. Ingrid Kindermann, OA PD Dr. med. Christian Werner sowie OA Professor Dr. med. Andreas Link.

Doch was ist Herzinsuffizienz eigentlich? Statistisch ist sie eine der häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen. In Deutschland leiden aktuell knapp 2 Millionen Patienten an einer Herzschwäche – und jährlich kommen 300 000 Patienten dazu. Die Herzschwäche führt dabei häufig zu schwerer Luftnot der Betroffenen sowie zu Wasseransammlungen in den Beinen und ist aktuell der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt in Deutschland.  Besonders bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz im terminalen Stadium besteht eine sehr hohe Sterblichkeit: so ist in Deutschland die Herzschwäche die dritthäufigste Todesursache.

Bis vor wenigen Jahren galt die Herztransplantation als einzige Möglichkeit, das Leben dieser Patienten zu erhalten und ihnen auch eine akzeptable Lebensqualität zu bieten. Aufgrund der zunehmenden Zahl an Patienten mit schwerer Herzschwäche und der begrenzten Spenderherzen wurde in den letzten Jahren die Behandlung mit Linksherzunterstützungssystemen vorangetrieben. Diese Systeme, die die linke Herzkammer (Ventrikel) unterstützen sollen, werden in der Fachsprache als LVAD („Left-Ventricular-Assist-Devices“) bezeichnet. Aufgrund kontinuierlicher Verbesserungen stellen sie aktuell für ausgewählte Patienten eine Alternative zur Herztransplantation dar und nehmen somit einen zunehmenden Stellenwert in der Behandlung von Erkrankten mit schwerster Herzinsuffizienz ein. Besonders bei jüngeren Patienten bieten die Unterstützungssysteme ebenfalls eine Möglichkeit, die Wartezeit bis zur Herztransplantation zu überbrücken.

Foto: Abott

Das „Kunstherz-System“ besteht aus einer handtellergroßen Pumpe, die durch den Herzchirurgen in den Brustkorb implantiert wird; sie ist über die Herzspitze und die Aorta (Hauptschlagader) an das Herz-Kreislaufsystem angeschlossen. Durch diese Pumpe wird das Blut aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader des Patienten gepumpt und unterstützt so den Kreislauf des Erkrankten. Für die Energiezufuhr und Steuerung ist die Pumpe durch ein Kabel mit der Steuereinheit und den Akkus außerhalb des Körpers verbunden. Das LVAD ermöglicht den schwerkranken Patienten, die oftmals vorher nur noch wenige Schritte gehen konnten, eine Erholung sowie ein weitgehend normales Leben. Sie können auch ihren Hobbies sowie ggf. auch ihrem Beruf wieder nachgehen.

Foto: Abott

In Homburg wurde jetzt das derzeit modernste LVAD implantiert. Im Gegensatz zu den anderen bisherigen VAD-Systemen erzeugt das HeartMate III-System durch ein mit Magnetkräften arbeitendes Pumpensystem einen künstlichen „Pulsschlag“, der Komplikationen wie z.B. die Bildung von Thromben innerhalb des Gerätes als auch Blutungskomplikationen verringern soll.

Essentiell für den Erfolg dieser Therapie sind die Vorbehandlung, die Auswahl und die spezifische Vorbereitung der herzinsuffizienten Patienten. Dies erfolgt in Homburg durch ein Ärzteteam mit besonderer Expertise auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz: Prof. Dr. med. Michael Böhm als auch seine Mitarbeiter PD Dr. med. Christian Werner, Prof. Dr. med. Andreas Link und PD Dr. med. Ingrid Kindermann betreuen seit Jahren diese schwerstkranken Patienten und beschäftigen sich auch wissenschaftlich mit diesem Krankheitsbild. Sie sind Mitarbeiter der seit Dezember 2016 durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) zertifizierten überregionalen Heart Failure Unit (HFU). Mit seiner mehr als 30-jährigen Erfahrung in der Organtransplantation und seiner extensiven Erfahrung in der chirurgischen Behandlung der Herzschwäche stellt Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schäfers mit seinem Team, hier vor allem OÄ Petra Ecker und Lena Winter, eine exzellente chirurgische Ergänzung dar.

Einen besonderen Stellenwert in der Behandlung von LVAD-Patienten besitzen ebenfalls die Kardiotechniker sowie ein spezialisiertes Pflegeteam mit besonders geschulten Pflegern und Schwestern (HFU-Nurses). Grundlage für den Erfolg einer LVAD-Therapie ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der kardiologischen und herzchirurgischen Teams bestehend aus ärztlichen Mitarbeitern, Kardiotechnikern, Pflegepersonal, Physiotherapeuten sowie Psychologen. Die Herzinsuffizienz-Einheit ist Teil eines strukturierten, sektorübergreifenden Herzinsuffizienz-Netzwerkes (HF-Netz), welches die Versorgung herzinsuffizienter Patienten optimieren und die Behandlungsqualität und -kontinuität sicherstellen soll. Kooperationspartner dieses Netzwerkes sind Hausärzte, niedergelassene Kardiologen, regionale Krankenhäuser sowie überregionale Zentren mit umfassendem kardiochirurgischem Behandlungsspektrum.

Für die Zertifizierung einer Heart Failure Unit ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herz-Thorax-Chirurgen sowie den genannten Kooperationspartnern eine  wichtige und notwendige Voraussetzung. Homburg ist eine der ersten vier zertifizierten Universitätskliniken neben dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen und dem Universitätsklinikum Würzburg. Mit diesen erfolgreichen LVAD-Implantationen unterstreicht das UKS seine herausgehobene Rolle in der Herzmedizin des deutschen Südwestens.

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