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Am vergangenen Donnerstag hat die Stadt Homburg zu einer Informationsveranstaltung rund um den geplanten Neubau der B423 geladen. Seit Wochen und Monaten drehen sich die Diskussionen der Befürworter und Gegner um die Reduzierung des Verkehrs, eine Verlagerung von Verkehrsströmen, Lärmemissionen und nicht zuletzt auch den Naturschutz. Erwartungsgemäß war der große Sitzungssaal auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Doch bei der Informationsveranstaltung konnte man den Eindruck gewinnen, dass alle sachlichen Argumente ausgetauscht seien – und eine Lösung mit der alle leben können wohl in weiter Ferne ist.

Der Infoabend lag außerhalb des gesetzlichen Verfahrens, so dass alle Argumente keinen Einfluss auf das aktuell laufende Planfeststellungsverfahren hatten. Dennoch legte Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind zum Anfang der Diskussion Spielregeln fest – auch in Hinblick auf eine teilweise emotional geführte Debatte: „Ich habe in den letzten Wochen erlebt, dass die ein oder andere Diskussion teilweise unsachlich oder gar beleidigend geführt wurde. Das werde ich hier nicht zulassen.“ so der Oberbürgermeister zu Beginn.

Die Diskussionen über eine potentielle Ortsumgehung Schwarzenbach/Schwarzenacker wird seit 40 Jahren geführt – so konkret wie aktuell ist das Projekt einer Umsetzung aber noch nicht gekommen. So präsentierten die anwesenden Mitarbeiter des Landesamtes für Straßenbau nochmal ausführlich die Planungen und standen den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern auch für Fragen zur Verfügung. So wurden die einzelnen notwendigen Bauwerke erläutert und die genaue Streckenführung vorgestellt.

Oftmals stießen die Fragen und Wortbeiträge der einen Seite auf Unverständnis beim jeweils anderen Lager. Das ist um so ärgerlicher, haben doch Gegner wie Befürworter berechtigte und nachvollziehbare Anliegen: auf der einen Seite weniger Lärm auf der alten B423 und auf der anderen Seite der Erhalt der Beeder Mastau. Wenn auch vereinfacht ausgedrückt, liegt hier die Krux der aktuellen Diskussion: der geplante Bau der B423neu ist ein kaum lösbares Dilemma und es scheint unwahrscheinlich, eine für alle Beteiligten tragbare Lösung zu finden. Hinzu kommt noch die politische Tragweite, sehen einige Gegner die geplante Ortsumgehung doch nur als Instrument zur Erschließung und verkehrstechnischen Anbindung des zur Zeit brach liegenden DSD-Gelände.

In seinem Schlusswort bat Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind dann auch alle Beteiligten, sich auf sachlicher Ebene mit dem Thema auseinander zu setzen:  „Ich kann nur alle Ermuntern, von ihrem Bürgerrecht Gebrauch zu machen, sich die Unterlagen anzuschauen und gegebenenfalls Einwände zu machen. Das ist ihr gutes Recht! Wir sollten aber auch verstehen, dass es in einer Demokratie Menschen gibt, die unterschiedliche Meinungen haben. Ich kann nur appellieren, sachlich miteinander zu diskutieren, egal wie sehr man davon betroffen ist und friedlich miteinander umgehen.“

Poltisch wird es dann auch am morgigen Dienstag: Der Homburger Stadtrat kommt um 17:30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses zu einer Sondersitzung zusammen. Dabei wird es unter anderem auch um die neue Anschlussstelle der A 8 sowie um die Ortsumgehung B 423 Schwarzenbach und Schwarzenacker gehen. Zudem auf der Tagesordnung: ein Pflegeheim mit betreutem Wohnen, das in der Kollwitzstraße errichtet werden soll. Unterrichtet wird in der Sitzung über den Umbau und die Sanierung der katholischen Kindertagesstätte St. Josef in Jägersburg. Auch die Bürgerinitiative gegen den Bau der B423 neu möchte bei der Stadtratssitzung Präsenz zeigen

Zu einer Informationsveranstaltung lädt die Bürgerinitiative am kommenden Montag, den 24.07.2017,  in die Fischerhütte nach Beeden. Ab 19.00 Uhr möchten die Veranstaltung den aktuellen Stand der Dinge aus ihrer Sicht schildern und auch einen kurzen Abriss der letzten Erkenntnisse und Ereignisse geben. Auch sollen die Interessierten Teilnehmer über über das Einspruchsverfahren. unterrichtet werden.

Hintergrund B423 neu:

Die geplante Neubaustrecke hat eine Länge von ca. 3,84 km. Sie beginnt mit einem neuen Autobahnanschluss an der BAB 8 zwischen den Anschlussstellen Einöd und Limbach in Höhe des Mastau Hofs. Im weiteren Verlauf wird die B423 bis zur Kläranlage Homburg parallel der derzeit noch stillgelegten Bahnstrecke Homburg – Zweibrücken geführt und quert diese schiefwinklig mittels einer Straßenüberführung. Sie durchschneidet die Jägerhausstraße, die nicht an die B423neu angebunden wird. Die OU Schwarzenbach und Schwarzenacker verläuft dann östlich der Pfalzwerke und des Industriegebietes Thyssen-Krupp Gerlach und kreuzt die Neue Industriestraße sowie die Entenmühlstraße. Ab hier überlagert die Ortsumgehung die bestehende Straße Am Stadtbad. In Höhe der Straße Am Forum wird die Umgehungsstraße über die Gewerbebrachfläche der DSD (Dillinger Stahlbau) geführt, bis sie auf die bestehende L119, Saarbrücker Straße, trifft und an das bestehende innerstädtische Netz anschließt.

Ziel der Ortsumgehung ist es, die bestehenden Ortslagen von Schwarzenbach und Schwarzenacker verkehrlich merklich zu entlasten und den Verkehr von und zu der A8 in und aus Richtung Homburg schneller zu führen. Die geplante neue Bundesstraße trägt somit zur Verbesserung des Wohnumfeldes in den Orten Schwarzenbach und Schwarzenacker bei und fördert gleichzeitig die Neuansiedlung und den Erhalt von industriellen und gewerblichen Strukturen in Homburg. In den Ortsdurchfahrten von Schwarzenbach und Schwarzenacker wird vor allem mit der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die geplante Ortsumgehung eine deutliche Reduzierung der Immissionen einhergehen.

Die B 423 OU Schwarzenbach und Schwarzenacker ist als Maßnahme des vordringlichen Bedarfs Bestandteil des Bundesverkehrswegeplanes 2030. Baulast- und Kostenträger ist das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI). Das saarländische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit Energie und Verkehr (MWAEV) sowie der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) sind im Rahmen der Auftragsverwaltung für Planung und Bau zuständig. Die Baukosten betragen ca. 34,2 Mio. €, inklusive der Kosten für die landschaftspflegerischen Ausgleichs – und Ersatzmaßnahmen.

Das Planfeststellungsverfahrens wurde im 2. Quartal 2017 eingeleitet. Nach der Herstellung des Baurechts durch den Planfeststellungsbeschluss folgen die Ausführungsplanung, die öffentliche Ausschreibung der Leistungen und deren Vergabe. Mit dem Baubeginn ist frühestens ab 2020 zu rechnen.

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