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Sterben, Tod, Vergänglichkeit – das letzte Tabu in unserer Gesellschaft. Damit beschäftigt sich auch der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf in seinem gemeinsam mit der Bremer Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil verfassten Buch „Das letzte Tabu – Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“. Darin schreibt er über das Sterben und darüber, wie man lernen kann, seine Angehörigen in den letzten Stunden zu begleiten und von ihnen in Würde Abschied zu nehmen. Der mittlerweile 78-Jährige plädiert dafür, Menschen bis zu ihrem Ende nicht allein zu lassen.

Zum Abschluss der dritten Auflage der Homburger Lesezeit 2016/17 warb er vor vielen Besucherinnen und Besuchern im großen Sitzungssaal des Rathauses für einen bewussten Umgang mit dem Lebensende. Dabei ließ es sich Henning Scherf nicht nehmen, zu Beginn das Publikum mit Handschlag willkommen zu heißen und mit seiner offenen, direkten Art zu erobern. „Das erlebt man selten, dass jeder Zuhörer persönlich begrüßt wird“, staunte selbst Bürgermeister Klaus Roth über die spontane Geste des Gastes.

Das Thema „Tod“ sei in Homburg nicht ganz neu, verwies Roth auf die deutschlandweit einzige altersübergreifende Palliativstation am Uniklinikum von Professor Sven Gottschling, der in seinem Buch „Leben bis zuletzt“ über die Angst vor dem Sterben und für mehr Lebensqualität am Lebensende berichtet. Im Bewusstsein, dass „für uns alle das Leben enden wird“, hoffe er, dass die Zuhörer aus berufenem Munde von Scherf erfahren, „dass Abschiednehmen nicht ganz so traurig wird“, so der Bürgermeister.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf (Mitte) wurde zum Abschluss der Homburger Lesezeit von Bürgermeister Klaus Roth (rechts) und dem Kulturbeigeordneten Raimund Konrad im Rathaus begrüßt. Foto: Bernhard Reichhart/Stadt Homburg

„Wir wollten kein Trauerbuch schreiben und auch keine Patentregeln für Trauernde aufstellen“, beschrieb Scherf, der sich schon lange mit dem Thema Tod beschäftigt,  die Zusammenarbeit mit Mitautorin Annelie Keil. Seine Mission heißt: das gute, selbst bestimmte Altern: „Man sollte Abschiednehmen lernen – und zwar schon bevor man krank und hinfällig wird. Sterbebegleitung ist eine Lebensqualität der besonderen Art“, erklärte der 78-Jährige.

„Ein ganz offizielles Dankeschön von Seiten der Stadt“, gab es von Bürgermeister Klaus Roth noch für Patricia Hans und Jutta Bohn, die die Homburger Lesezeit „aus Liebe zum gedruckten Wort“ ins Leben gerufen haben und bereits die nächste Reihe planen.

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